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Wer die Kurze Geschichte des Antisemitismus von Peter Schäfer und den Essay wie eine religion der anderen die wahrheit wegnimmt von Klaus Heinrich gelesen hat, kann der noch Christ sein (sofern ihm das am Herzen liegt)? In gewisser Weise vielleicht ernsthafter denn je, denn er ist gezwungen, sich mit der christlichen »Todestheologie« auseinanderzusetzen und sie über Bord zu werfen. Was übrigbleibt, ist nicht weniger, sondern mehr: die Lehre Jesu ohne die Dogmen der Kirche.
Zwei sehr verschiedene Autoren haben sich mit dem Antisemitismus beschäftigt: Klaus Heinrich, Religionsphilosoph, kein Spezialist für Einzelwissenschaften, und Peter Schäfer, weltweit renommierter Judaist. Als Leiter des Jüdischen Museums Berlin hat er die großartige Dauerausstellung konzipiert. Im Unterschied zu einigen aktuellen Veröffentlichungen
zum Thema sind diese beiden Autoren frei von eiferndem Sektierertum. Für sie ist es kein Modethema, das es bedauerlicherweise heute teilweise ist, sondern ein existenzielles Lebensprojekt.
Schäfer allerdings hat einigen Orthodoxen vor allem in Deutschland schwer auf die Füße getreten, insbesondere mit seinen Studien zu christlich-jüdischen Kontaminationen im Mittelalter, als Juden christliche Riten und Gedankenfiguren übernahmen - eigentlich ein spannendes Thema, aber dem Selbstverständnis mancher Orthodoxen entschieden zuwiderlaufend. Als Historiker hat Schäfer einen leidenschaftlich-kühlen Blick auf die Phänomene, d.h., er ist durchaus auch ein Mann des Vergleichs, was Spezialisten ja sonst eher nicht sind. Bei historischen Mammutwerken verliert der Laie in der schieren Menge der Einzelheiten meist den Überblick - eine kurze Geschichte des Antisemitismus zu schreiben war deswegen eine heroische Tat von ihm, für die Schäfer höchstes Lob und Dank gebühren. Allein die Verdichtung - eine der schwersten Künste des Wissenschaftlers - ist ein Bravourstück. Und der nüchtern-hoffnungsfreie Ausblick ehrt den skeptischen Autor.
Beide Autoren, Schäfer und Heinri