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Das diesjährige, 75-jährige Jubiläum der Psyche haben der Klett-Cotta Verlag sowie Herausgeber und Redaktion der Psyche zum Anlass genommen, ein Preisausschreiben mit der Frage »Was ist psychoanalytische Aufklärung heute?« sowie am 7. Mai 2022 eine Jubiläumstagung mit dem Titel »Aufklärung im Angesicht der Katastrophe« zu veranstalten.
Was ist aus der psychoanalytischen Aufklärung mit ihrem kritischen Impuls und ihren praktischen Absichten geworden? Wo ist sie lebendig, welche Beispiele lassen sich finden? Oder kommt sie der Gegenwart abhanden? Ist sie gar gegenstandslos geworden? Veraltet die damit verbundene Auffassung von Psychoanalyse, markieren heute andere Begriffe ihre Relevanz? Bleibt die Selbstaufklärung in der analytischen Therapie ihre wichtigste Domäne?
Die Psyche lud ein, zu dieser Thematik einen Text zu schreiben, für den die genannten Fragen eine Anregung sein sollten. Eine externe, unabhängige Jury begutachtete die anonymisierten Texte und wählte die Preisträger aus. Die prämierten Beiträge wurden auf der Jubiläumstagung in einer Kurzfassung präsentiert und werden hier in der eingereichten (lediglich formal redaktionell bearbeiteten) Fassung abgedruckt.
Mit dem Thema der Jubiläumstagung wollten wir sowohl Bezug auf das Gründungsjahr der Psyche nehmen, die Nachkriegszeit nach dem Nationalsozialismus in Deutschland, auf die gegenwärtige ökologische Krise und andere krisenhafte Entwicklungen. Das Thema gewann durch den von Russland ausgehenden Krieg in der Ukraine eine von uns nicht geahnte Aktualität.
Wir stehen unter dem Eindruck sich häufender und drohender Katastrophen. Die Voraussetzungen eines aufgeklärt-rationalen öffentlichen Diskurses erscheinen erneut gefährdet. Wie reagieren Menschen auf die
Nähe der Katastrophe? Wie werden ihr Denken und ihr Leben beeinflusst, beeinträchtigt, vielleicht aber auch stimuliert? Wie kann man zwischen - vielleicht illusionärer - Hoffnung und lähmender Furcht die Welt noch erkennen? Was kann Psychoanalyse dazu sage