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Die Diskussion über das Veralten der Psychoanalyse ist nicht neu. Die Betonung ihrer spezifischen Historizität, also ihres soziohistorischen Entstehungskontexts um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts, geht oftmals mit einer Reihe von gesellschaftstheoretischen Vorwürfen einher, die die Relevanz der Psychoanalyse heute zu entkräften trachten. Sie fokussiere sich bei ihrer Deutung einer mehr oder weniger erfolgreichen Bildung eines autonomen Subjekts übermäßig auf Sexualität und die bürgerliche Familie, insbesondere den Vater, was u.a. angesichts gesellschaftlicher Veränderungen nicht mehr angemessen sei. Einige Standardeinwände lauten hier etwa, im Vergleich zur repressiven wilhelminischen Sexualmoral zu Zeiten Freuds habe sich heute eine Liberalisierung der Sexualität durchgesetzt, die Sozialisation durch die patriarchal-bürgerliche Kleinfamilie sei nur klassenspezifisch und darüber hinaus im Schwinden begriffen, weswegen letztlich auch von einem autonomen Subjekt nicht (mehr) die Rede sein könne (vgl. Horkheimer 1987 [1936]; Marcuse 1965; Ermann 2007; Eichler 2019; Gerber 2020).