You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»Durch solches Eingedenken der Natur im Subjekt, in dessen Vollzug die verkannte Wahrheit aller Kultur beschlossen liegt, ist Aufklärung der Herrschaft überhaupt entgegengesetzt.«
»Die Natur rächt sich, wir sind zu lange rücksichtslos mit unserer Umwelt umgegangen.«
Immanuel Kants Auftakt in seiner »Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?« im Jahr 1784 war unmissverständlich: »Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit« (Kant 1964 [1784], S. 53). Wenn Jürgen Habermas 1965 daran erinnerte, Mündigkeit sei die »einzige Idee, deren wir im Sinne der philosophischen
* Der vorliegende Beitrag ist einer der Preisträgertexte eines Preisausschreibens, das die Psyche anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens ausgelobt hat. Zu beantworten war die Frage »Was ist psychoanalytische Aufklärung heute?« Auf der Jubiläumsveranstaltung »75 Jahre Psyche« mit dem Thema »Aufklärung im Angesicht der Katastrophe«, die am 7.5.2022 in Frankfurt/M. stattfand, wurde diesem Text der - mit einem anderen Beitrag geteilte - erste Platz zugesprochen.
Bei der Redaktion eingegangen am 4.4.2022.
Tradition mächtig sind«, dann stimmt ihm auch die Freud’sche Psychoanalyse zu. Von Anfang an war sie dieser Idee verpflichtet: Als talking cure, die ihre Patienten zur freien Assoziation ermutigt, setzt sie voraus, was die Menschen »aus Natur heraushebt, […] nämlich der einzige Sachverhalt, den wir seiner Natur nach kennen können: die Sprache. Mit ihrer Struktur ist Mündigkeit für uns gesetzt« (Habermas 1976 [1968], S. 163). Keine gelungene Psychoanalyse, die nicht in dieser Mündigkeit endet, auch wenn die unbewussten Kräfte, die ihr entgegenwirken, mächtig sind und bleiben. Und obwohl das Leid, das sie behandelt, meist nicht selbstverschuldet ist.
Am Ende seiner Schrift trübt Kant seine Zuversicht in diese Mündigkeit ein, wenn er sie durch Her