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Die Psychoanalyse hat aufklärerischen Anspruch und emanzipatorisches Potenzial - damals wie heute. Der Fokus darauf, welcher Aspekt des Subjekts emanzipiert werden soll, hat sich parallel zur Gesellschaft entwickelt: vom unterdrückten Trieb zum unterdrückten Selbst hin zur Regulation der Beziehung zwischen den Subjekten. Dabei sollte das Subjekt zunächst Herr im eigenen Haus werden, sich gegenüber der Natur durchsetzen, um sich dann schließlich selbst zu verwirklichen. Die Klimakrise fordert dieses heroische Menschen- und Weltbild auf vielen gesellschaftlichen Ebene heraus - von der Corona-Pandemie bis hin zu neuen Formen des Rechtspopulismus -, und die Psychoanalyse sieht sich mit einem verletzbaren Menschen konfrontiert, der dabei ist, seine Lebensgrundlagen zu zerstören. Die Zerstörung ist gesellschaftlich organisiert und psychoanalytisch gesehen durch ein gesellschaftlich Unbewusstes vermittelt, das Ideologie, diskursive Formationen, politische Narrative und allgemein Macht- und Herrschaftsverhältnisse im Subjekt widerspiegelt. Die Klimakrise betrifft die Individuen in unterschiedlicher Weise, sie beinhaltet soziale Ungerechtigkeit und
* Der vorliegende Beitrag ist einer der Preisträgertexte eines Preisausschreibens, das die Psyche anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens ausgelobt hat. Zu beantworten war die Frage »Was ist psychoanalytische Aufklärung heute?« Auf der Jubiläumsveranstaltung »75 Jahre Psyche« mit dem Thema »Aufklärung im Angesicht der Katastrophe«, die am 7.5.2022 in Frankfurt/M. stattfand, wurde diesem Text der dritte Platz zugesprochen.
Bei der Redaktion eingegangen am 4.4.2022.
kann als eine Pathologie des Sozialen (Honneth 1994, 2020) untersucht werden. Die Vulnerabilität von Mensch und Planet ins Zentrum stellend und im Rückgriff auf ein komplementäres Verhältnis der Traditionen von Anerkennungs- und Alteritätstheorie soll hier im Hinblick auf das empirische Problem der Klimakrise ein »ethical turn« (Orange 2017) der Psychoanalyse skizziert we