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Es dauerte 15 Jahre, bis im vergangenen Jahr die Heimkinderdebatte für die seinerzeit betroffenen Kinder und Jugendlichen zu einer gewissen symbolischen und materiellen Anerkennung führte: Ende Juni 2021 wurden von einer Stiftung des Bundes Entschädigungszahlungen an ca. 19 000 ehemalige Heimkinder geleistet, die nach 1945 in deutschen (katholischen, evangelischen und staatlichen) Kinderheimen untergebracht und dort oft jahrelang misshandelt wurden und z.T. auch sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Der Staat hatte in seinem Schutzauftrag gerade den Kindern gegenüber, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht in ihren Familien aufwachsen konnten oder durften, massiv und anhaltend versagt.
Nun legt Anja Röhl mit ihren beiden 2021 im Psychosozial-Verlag erschienen Bänden (Röhl 2021a,b) eine erste Dokumentation und Untersuchung der entwürdigenden, von Gewalt und Sadismus geprägten Erfahrungen von »Verschickungskindern« in westdeutschen Kindererholungsheimen vor. Anders als die o.g. Heimkinder handelte es sich hier um Kinder, die aufgrund einer sogenannten Verschickungsempfehlung eines Arztes zur Verbesserung ihres Gesundheitszustandes
* (2021a): Das Elend der Verschickungskinder. Kindererholungsheime als Orte der Gewalt. Gießen ( Psychosozial-Verlag). 305 Seiten, € 29,90.
(2021b): Heimweh. Verschickungskinder erzählen. Gießen ( Psychosozial-Verlag) 228 Seiten, € 24,90.
Bei der Redaktion eingegangen am 8.6.2022.
für sechs bis acht Wochen in ein Kindererholungsheim geschickt wurden und dann wieder in ihre Familien zurückkehrten. Trotz dieses begrenzten zeitlichen Rahmens vollzog sich in diesen Wochen in einer bedrückenden Zahl von belegten Fällen ein traumatischer Bruch im Verhältnis der Kinder zur Welt - die plötzliche Erfahrung von Willkür, Machtmissbrauch, Demütigung und Gewalt führte zum lang anhaltenden Verlust von Vertrauen, Selbstwert, Zuversicht in die Tragfähigkeit menschlicher Beziehungen und seelischer Gesundheit.
Röhl geht die sozialwissenschaftlic