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Immer mehr drängt sich vielen die Frage auf, welchen Ort die Psychoanalyse im 21. Jahrhundert einnehmen wird. Manchen scheint es, man müsse sich Sorgen machen.
Es gibt jedoch Texte, die dazu beitragen wollen und können, dass die Psychoanalyse auch im 21. Jahrhundert überleben wird. Es sind solche, die sie nicht nur konservativ bewahren, sondern entwickeln wollen - gestützt ebenso auf empirische Forschung wie auf klinische Sensibilität. Teilhabe am Leiden der Menschen, die unter Gewaltkrisen schwer leiden, ist nötig - und nicht die Verteidigung einer psychoanalytischen Tradition allein.
Lutz Wittmanns Buch Trauma. Psychodynamik - Therapie - Empirie will der Psychoanalyse eine Zukunft als Trauma-Therapie einräumen, aber das ist nur ein Teil seiner Botschaft. Die andere Seite ist die klinische Kompetenz. Sie wird auch in Zukunft sehr wohl in der mehr als 120-jährigen Geschichte der Psychoanalyse verankert bleiben. Eine weitere, politisch wichtige Botschaft ist, dass vieles von dem, was als Mainstream der Traumaforschung kenntnisreich beschrieben wird, unausgewiesen dem psychoanalytischen Theoriefundus entnommen ist. Man bedient sich bei der Psychoanalyse - und kann den Psychoanalytikern durchaus den Vorwurf machen, dass sie es kaum bemerken. Psychoanalyse hat durchaus Zukunft. Empirische Studien belegen dies auch hier stark. Wittmann verlässt die Tradition der Fallgeschichten und stützt sich auf die belegbare Empirie. Das macht seinen Beitrag von der einen Seite her sehr stark. Von der anderen Seite her führt er eine
kluge Auseinandersetzung mit Behandlungsempfehlungen traumatisierter Menschen.
Im ersten Kapitel werden Krieg und Völkermord als »Schulzimmer der Psychotraumatologie« thematisiert - der Anfang mit dieser Realität ist überzeugend. Und gut! Die Gewaltexplosionen des 20. Jahrhunderts haben schwer Traumatisierte hinterlassen, die ohne therapeutische Hilfen mit dem Erlebten nicht zurechtkommen können.
Dem Anfang mit den Realitäten, die irgendwann in quälenden P