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Liest man diesen Ausstellungskatalog unter der Perspektive der Psychoanalysegeschichte, dann kommt man zu einem interessanten Befund: Die Aneignung der Psychoanalyse durch den Surrealismus war eine der ersten, wenn nicht die erste freundliche Übernahme der Psychoanalyse durch einen anderen kulturellen Bereich.
Sigmund Freud verstand sich als ein von anderen Wissenschaften Ausgegrenzter, daher war es ihm ungewohnt, zum »Schutzpatron« auserwählt zu werden. Entsprechend misstrauisch reagierte er auf Salvador Dalís obsessive und idealisierende Zuneigung. Erst am 19. Juli 1938 gelang es Dalí, mit Hilfe von Stefan Zweig, bei Freud vorzusprechen. Dieses Treffen sollte das einzige bleiben - und wie es scheint, hat es Dalís Bewunderung Freuds beendet. Der Ausstellungskatalog, der im Format eines Buches vorgelegt ist, dokumentiert diese leidenschaftliche Übertragung Dalís auf Freud und die Psychoanalyse. Von Freud erfahren wir darin wenig, das sei klar gesagt. Vielleicht erfahren wir auch über die Psychoanalyse wenig, das muss man ebenso konstatieren. Freuds Urteil über den Surrealismus war deutlich: Er fand, »der Begriff der Kunst verweigere sich einer Erweiterung, wenn das quantitative Verhältnis von unbe[wußtem] Material
und vorbewusster Verarbeitung nicht eine bestimmte Grenze einhält« (S. 162). Freud hatte es lieber, einem Kunstwerk den unbewussten Gehalt zu entlocken, als diesen überdeutlich präsentiert zu bekommen. Er interessierte sich wenig für den »Wortlaut der Träume«, den manifesten Traum: »Eine Sammlung von Träumen ohne beigefügte Associationen […] sagt mir nichts« ließ er André Breton 1937 in einem Brief wissen (S. 118).
Die Psychoanalyse entzieht sich hier dem direkten Zugriff, könnte man sagen, und sie besteht auf der Anwesenheit eines anderen. Dalí hat versucht, sich der Psychoanalyse zu bemächtigen und wollte sie ohne die Interventionen und Deutungen eines anderen auf sich anwenden. Ulrike Kadi schreibt im Epilog:
»Er wollte es als Künstler der Psychoanalys