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Während der Lektüre dieses äußerst kenntnisreichen Werkes, das von Aleksandar Dimitrijević und Michael B. Buchholz, die beide an der Berliner International Psychoanalytic University lehr(t)en, editiert wurde, begleiteten mich zwei in die gleiche Richtung gehende Hinweise, erstens auf die Stille der Musik, etwa in dem - komplett stillen - Stück 4’33’’, das John Cage komponierte, und zweitens auf die Stille, die ganz und gar meditativ oder sogar leer ist. Auch und gerade weil dieser Sammelband, der sich als umfassende Synopsis in einen kulturellen, einen klinischen und einen forschungsorientierten Teil gliedert, so reich und reichhaltig an Gedanken ist, schien mir diese gelegentliche Einkehr in die (gedankenlose) Stille wie eine kontemplative, das Lesen strukturierende Rückbesinnung, ein Auf-die-Stille-Horchen, das als Ergebnis einer Sensibilisierung für dieses subtile Thema gelten darf.
Die New Yorker Philosophin und Psychoanalytikerin Donna Orange (S. 7-25) eröffnet den Reigen der philosophischen Arbeiten mit einer Phänomenologie der Stille bzw. des Schweigens (in dieser Doppelbedeutung von »silence«). Gleich der erste Satz schlägt den Ton an, der sich durchaus als leitmotivisch verstehen lässt: Schweigen kann schützen, attackieren, erniedrigen, es kann aber auch Einverständnis signalisieren. Sartre betrachtete Stille als einen Akt der Freiheit. Freud hingegen erfand die »Redekur«, um Unbewusstes zur Sprache zu bringen. Colum Kenny (S. 26-40) beleuchtet, daran anschließend, spirituelle und religiöse Aspekte: Stille als Ausdruck von Verehrung, Anbetung, Kontemplation; die Methodik des Schweigens als Möglichkeit, sich und die menschliche Natur ins Geistige, Gottähnliche zu transformieren;
Stille als Quelle der Erleuchtung. Aber auch hier, im Religiösen, ist Schweigen ambig: Es sei nur die Tatsache der Tabuisierung sexuellen Missbrauchs erwähnt.
Silvia von Bonacchi (S. 41-61) behandelt Stille und Schweigen aus Sicht der Linguistik: Nicht immer ist Schweigen Ausdruck