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»Der Gesellschaft ein Bewußtsein ihrer selbst zu geben«, so lautete Klaus Heinrichs - nicht gerade bescheidenes - Theorievorhaben.1 Dem 2020 im Alter von 93 Jahren verstorbenen Religionsphilosophen und studentischen Gründungsmitglied der Freien Universität Berlin zu Ehren veranstaltete das Berliner Psychoanalytische Institut (BPI) im vergangenen März einen Workshop. Beim Titel »Über die Schwierigkeit nein zu sagen« handelt es sich um eine Anspielung auf seine schillernde Habilitationsschrift, die seinerzeit für Aufruhr in den Dahlemer Universitätsfluren gesorgt hatte. Sein Versuch über die Schwierigkeit nein zu sagen (2021 [1964]), immerhin bei Suhrkamp erschienen,2 hätte ihm
* Tagungsbericht zum Workshop »Über die Schwierigkeit nein zu sagen« am Berliner Psychoanalytischen Institut/Karl-Abraham-Institut am 19.3.2022. Der Autor dankt Angelika Ebrecht-Laermann, Susanne Kitlitschko und sämtlichen Referenten für die Bereitstellung der Manuskripte.
Bei der Redaktion eingegangen am 17.5.2022.
Davon spricht Heinrich schon 1964 in seiner enttäuscht klingenden Rede »Erinnerungen an das Problem einer freien Universität« (Heinrich 1964). Später wurde Band 2 seiner Reden und kleinen Schriften so genannt: der gesellschaft ein bewußtsein ihrer selbst zu geben (Heinrich 1998), in dem seine universitäts- und wissenschaftspolitischen Beiträge versammelt vorliegen.
Eine instruktive, würdigende Besprechung hatte der noch relativ junge Jürgen Habermas (1964) unter dem Titel »Von der Schwierigkeit Nein zu sagen« seinerzeit im Merkur publiziert. Habermas hebt das Fehlen von durch Arbeit vermittelter Sprachlosigkeit und Selbstbeschädigung in der Moderne bei Heinrich hervor und meint darin eine sich andeutende Rückwendung in ontologische Erklärungsmuster zu erkennen. Bossart (2004) hält dagegen und betont bei Heinrich die Stärke einer Deutungsperspektive, die auf der Möglichkeit nicht-verdinglichender Verständigung besteht (S. 20f.).
beinahe die Berufung auf einen Lehrstuhl am religionswisse