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»Das hohe Lied des Islams zu singen, ist genauso voreingenommen, wie ihn ungerecht zu verurteilen«, zitiert Pascal Bruckner in seinem Buch Der eingebildete Rassismus (2020, S. 8) den Orientalisten Louis Massignon, der sich zeitlebens für den Dialog zwischen Islam und Katholizismus eingesetzt hat. Mit diesem, plakativ am Anfang der Abhandlung platzierten Zitat ist gewissermaßen Ziel und Resultat dieser Publikation Bruckners vorweggenommen.
In seiner Streitschrift geht es dem Autor, Protagonist der nouvelle philosophie, die seit den 1970er Jahren das Denken der traditionellen
Linken aus antitotalitärer Perspektive kritisiert, darum, »die Islamophobie als eingebildeten Rassismus anzuklagen« und diesen Begriff, der eine emotional begründete Islamfeindlichkeit bezeichnet, »zu delegitimieren« (2020, S. 8). Was ihm, das sei vorweggenommen, mit wohlerwogenen Argumenten und detaillierten Informationen exzellent gelingt.
Bruckners Ausgangspunkt seiner streitbaren Kritik ist die Rückbesinnung auf die in der Französischen Revolution erstmals auf die historische Bühne gebrachten demokratischen Werte, die er im traditionell laizistischen Frankreich mittlerweile insbesondere im Feld der religiösen Überzeugungen gefährdet sieht. Im Zeitalter der Identitätspolitik seien es die oftmals partikularen, speziell bei Glaubensfragen zu unumstößlichen Gewissheiten aufgeblähten Überzeugungen, die Absolutheit beanspruchten - inklusive der Forderung, jede Kritik an ihnen zu verbieten. Für Bruckner ein zentraler Angriff auf die Grundwerte der Demokratie: »Demokratische Reife« bedeute, »zu akzeptieren, dass meine innersten und tiefsten Überzeugungen, meine absolute Gewissheit, im Besitz der Wahrheit zu sein, für die anderen nichts als Meinungen darstellen« (S. 42). Andere von der Richtigkeit seiner Gewissheiten zu überzeugen dürfe nur mit den »Waffen der Argumentation«, nicht aber mit Gewalt ausgetragen werden. Zur demokratischen Reife gehört in dieser Perspektive auch die Möglichkeit, sich übe