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»Der Krieg kam auch in meinen Körper hinein«, schrieb die in Wien lebende ukrainische Schriftstellerin Tanja Maljartschuk nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022, ein Datum, das sich uns einbrennen wird wie der 1. September 1939,
»russische Panzer rücken vor und besetzen mein Herz, meinen Magen, meine Füße. Langsam kommt ein Verständnis dafür auf, dass das gerade Geschehene meine und die Zukunft meiner Landsleute für sehr lange Zeit bestimmen wird, dass wir, wenn wir es überleben, uns Jahrzehnte werden damit beschäftigen müssen. Ich bin keine Schriftstellerin mehr und werde es vielleicht nie mehr sein können. Wörter erstarren in mir, sie sterben ab, gehen zugrunde mit jeder weiteren Rakete, die meine Welt beschießt und zerfetzt« (zit. nach FAS vom 20.3.2022, S. 35).
»Es will uns scheinen«, schrieb Freud 1915 unter dem Eindruck des tobenden Ersten Weltkriegs, zu dem auch seine Söhne eingezogen wurden, »als hätte noch niemals ein Ereignis so viel kostbares Gemeingut der Menschheit zerstört, so viele der klarsten Intelligenzen verwirrt, so gründlich das Hohe erniedrigt« (Freud 1915b, S. 324). Erschüttert betrachtet er in seiner Schrift »Zeitgemäßes über Krieg und Tod« die Trümmer der Welt, an die er als »Kulturweltbürger« glaubte. Er spricht von der »Enttäuschung des Krieges«, weil man davon ausgegangen sei, dass gerade die »zivilisierten Völker« der »weißen Rasse«, denen die »Führung des Menschengeschlechts zugefallen« sei, in der Lage sein
* Bei der Redaktion eingegangen am 15.11.2022.
müssten, ihre Konflikte auf anderem Weg auszutragen als mit Krieg (S. 325).
Wir müssen unsere Phantasie nicht überstrapazieren, um in Freuds Beschreibung dieser fassungslosen Enttäuschung unsere eigene Fassungslosigkeit angesichts des Krieges in der Ukraine zu erkennen. Und auch wenn es uns vor Freuds Vokabular schaudern mag, wenn er von »weißer Rasse« und ihren »hohen sittlichen Normen« spricht, weil wir in diesen Begriffen eine Ideologie erkennen, die selbst Que