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Res severa verum gaudium. Ein Wahlspruch, der über diesem Buch stehen könnte. Weil sich wahre Freude daran nur entwickelt, wenn man sich den Texten ernsthaft stellt und bereit ist, sich in ein Feuer von Für und Wider, Einst und Jetzt, Theorie und Praxis, Einzelnem und Allgemeinem, Analyse und Synthese, Psychologie und Politik zu werfen.
Von den Herausgeberinnen Anna Koellreuter und Margret Hauch aus dem Nachlass der Sexualwissenschaftlerin und Psychotherapeutin Sophinette Becker (1950-2019) sorgfältig ausgewählt, enthält das Buch 19 Beiträge, davon drei zusammen mit dem (nicht verwandten) Psychologen Hans Becker und einer zusammen mit der Psychoanalytikerin Cordelia Stillke verfasst.
Es ist völlig unmöglich, alle diese Texte - einzeln oder als Gesamt - in einer Rezension vorzustellen und angemessen zu würdigen. Einige Stichwörter mögen genügen, um in das Denken und Wissen von Sophinette Becker einzuführen und die Neugier auf ihre Texte anzuregen.
Masturbation. Die Autorin weiß, dass Masturbation »nicht mehr als Ersatz für den Koitus bzw. für Sexualität zu zweit, sondern als eigenständige Sexualform neben der aktuellen sexuellen Beziehung erlebt und bewertet« wird (S. 263). Das bedeute aber nicht, »dass das immer ohne Schuldgefühle bzw. ohne Vorwürfe der Partnerin/des Partners abgeht« (S. 263). Die weibliche Masturbation, inzwischen häufiger geworden (auch im diesbezüglich zurückgebliebenen Osten), hat für die
Autorin ein emanzipatorisches Potential. Aber Selbstsex bedeutet für sie nicht die finale Befreiung.
Traumatisierung. 1996 fand am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf eine Tagung zum Thema »Verführung - Trauma - Mißbrauch« statt. Sophinette Becker stand am Rednerpult und sagte dem aufmerksamen Publikum (zu dem auch der Rezensent gehörte) Folgendes:
»Während auf der einen Seite für viele Psychoanalytiker reale sexuelle Traumatisierungen jahrzehntelang kein Thema waren, ist für andere Therapeuten und Autoren jede psychische Störung, jede unglückliche Biografi