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Die israelisch-französische Soziologin Eva Illouz erforscht den Einfluss kapitalistischer Gesellschaften auf unsere individuellen Emotionen. Das ist auch eine eminent politische Frage. Es verwundert daher nicht, dass sie jetzt, während ihr Land in eine tiefe Krise zu geraten droht, die Verbindung untersucht, die zwischen Israels Politik und gewissen Gefühlslagen seiner Bürger besteht. »Eine Gefühlsstruktur kann auf eine soziale Erfahrung verweisen, die von den Angehörigen einer sozialen Gruppe geteilt und im Lauf der Zeit gesammelt wird«, schreibt Illouz, »sie kann dabei, muss aber nicht explizit benannt werden, und sie kann, muss aber nicht Teil des politischen Diskurses werden« (S. 19).
Die Zeit, in der die Juden ihre sozialen Erfahrungen gesammelt haben, weist eine doppelte Struktur auf. Fast zwei Jahrtausende lang war es eine Zeit im Exil, während deren sie politisch weitgehend passiv bleiben und Strategien des kollektiven Überlebens entwickeln mussten; ihren Staat hingegen, in dem sie souveräne Entscheidungen treffen können, gründeten sie erst vor 75 Jahren.
Illouz konzentriert sich auf die unmittelbare Gegenwart, auf die lange Regierungszeit Benjamin Netanjahus in den letzten beiden Jahrzehnten, auf sein Spiel mit den Emotionen. Gleichzeitig versucht der Essay zu zeigen, wie die Erfahrung des Exils diese Emotionen strukturiert und der politischen Manipulation zugänglich gemacht hat.
Vornehmlich sind es drei negative Emotionen, die Illouz analysiert: die Angst, der Abscheu und das Ressentiment. Schon der Titel der Studie
bezeichnet sie als undemokratisch: In einer Demokratie herrscht keine Angst, weil ihre Institutionen Sicherheit gewähren; kein Abscheu, weil sie niemanden ausgrenzt; kein Ressentiment, weil ihre Gesetze allen Bürgern die gleichen Rechte gewähren.
Im Nahen Osten aber herrschen Verhältnisse, die einer liberalen Demokratie nicht zuträglich sind. Seit fast hundert Jahren schwelt ein Konflikt zwischen Juden und Palästinensern und hat seinen Anteil a