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Im November 1989 fällt die Mauer. Deutschland erlebt im Freudentaumel die Wende. Die fahnenschwenkenden Massen fallen sich zu David Hasselhoff und den Scorpions selig in die Arme. Im selben Jahr erscheint der nach Sein und Zeit (2008 [1927]) als zweites Hauptwerk gehandelte Band 65 der Gesamtausgabe Martin Heideggers (vgl. als gelungene Kritik: Schwan 1989), geläufig unter dem Kurztitel: Vom Ereignis (1989). Der Berliner Religionsphilosoph Klaus Heinrich nimmt sich im Sommersemester 1990 das Ereignis-Buch vor. Mit Heidegger steht am Ende eines über vier Semester laufenden Vorlesungszyklus zum Symbolbegriff ein erklärter Antipode des Symbolischen (vgl. Heinrich , S. 141; ab jetzt als Sigle UA abgekürzt, auch die Zitate von Heidegger werden nach Heinrich 2023 zitiert): Im »gleichgerichteten« (UA, S. 111) Agieren sollen sämtliche Vorkehrungen getroffen werden, damit im Ereignis alles eins und alles andere ausgelöscht wird.
Obschon über die gesamte Vorlesung nur wenige Male angedeutet (vgl. UA, S. 73), treibt Heinrich dem Anschein nach die Frage um, wie das neue deutsche Volksgefühl aus dem Zusammenbruch der Grenze zu begreifen ist. Heideggers Philosophie, die um die kultische Beschwörung der Realisierung einer Existenz aus dem Zusammenbruch der »ontologischen Differenz« (UA, S. 128) zwischen Sein und Seiendem
ostentativ kreist, dürfte Heinrich zur Erkundung seines Unbehagens beim Anblick dieses aufbrechenden Nationalgefühls entgegengekommen sein: Es geht um das Phantasma eines »ganz anderen Anfangs« (UA, S. 193), eines Ursprungs, der mit einem auf realgeschichtlichen Erfahrungen beruhenden Bewusstsein schlechthin zu brechen beabsichtigt. Opfer werden dazu nicht nur gebilligt, sondern als unvermeidlich eingefordert: »Das Seiende insgesamt wird zum Opfer gebracht für das Sein; kein Opfer zur Abschaffung der Opfer, sondern Totalopferung« (UA, S. 20), so Heinrich.
Wie Heidegger in seinen wortklauberischen Meditationen jegliche personale Verantwortung und trennende Symbo