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Wie es mit der Brüderlichkeit in Zeiten steht, die das Geschlechterverhältnis und damit das Gendern zum zentralen Konflikt auf allen Spiel- und Behauptungsfeldern unserer Kultur machen, ist eine offene Frage. Auf Freiheit und Gleichheit als zentralen Werten dagegen bestehen alle, die sich als Demokraten empfinden. Wobei Freiheit den meisten offenkundig wichtiger ist als Gleichheit. Was nicht ohne Folgen bleibt, wie in scheinbar nebensächlichen Kontexten greifbar wird.
Seit Jahren wird man selbst in psychoanalytischen Kreisen mit dem Begriff der »freischwebenden Aufmerksamkeit« konfrontiert - von jenen, die ihn benutzen, offenbar im festen Glauben, damit Freud zu zitieren. Ein schlichter kategorialer Fehler aus sprachlicher Schusseligkeit? Oder eine Fehlleistung? Dann würde es, gerade wegen der Häufigkeit ihres Vorkommens bei gebildeten Freud-Anhängern, interessant. Und es lenkt den Blick auf die selten gestellte Frage: Um welche Gleichheit geht es bei dieser Aufmerksamkeit eigentlich?
Es sind, folgt man Freuds Auskünften, wesentlich zwei Sachverhalte, um die es geht. Der erste dreht sich um das Problem, wie die Erzählungen, ja tatsächlich die Worte des Patienten aufzunehmen seien. Sie dürfen, so Freud, nicht so bewertet werden, wie es dem alltäglichen Verstand geläufig ist. Was mit der besonderen Arzt-Patient-Situation in der analytischen Dyade zusammenhängt. So wie der Patient der analytischen Grundregel zu folgen hat, »daß man ohne Kritik alles mitteilen solle, was einem in den Sinn kommt«, was nicht weniger heißt, dass »ihm logische Zusammenhänge und Schlüsse […] gleichgültig werden,
* Bei der Redaktion eingegangen am 27.10.2022.
die ihm kurz vorher den größten Eindruck gemacht hatten« (Freud 1912b, S. 373), verzichtet der Analytiker darauf, das Gehörte in Wichtiges und Unwichtiges zu zerlegen. Dazu muss er seine Aufmerksamkeit bis zu einem gewissen Grade außer Kraft setzen.
»Man erspart sich auf diese Weise eine Anstrengung der Aufmerksamkeit […] und vermeidet ei