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Wie, wodurch und wann entstand unser heutiges westliches Menschsein mit seinen psychischen Instanzen Es, Ich und Über-Ich? Unsere seelischen Strukturen sind nicht so alt, wie man vermutet hat. Sie dürften vor wenigen Jahrtausenden im Vorderen Orient und in Griechenland entstanden sein.
Dieser Auffassung ist der Darmstädter Psychoanalytiker Eberhard Th. Haas, der sich seit langem auf den Spuren von Freuds Kulturtheorie bewegt: … und Freud hat doch Recht , Transzendenzverlust und Melancholie , Das Rätsel des Sündenbocks , 100 Jahre »Totem und Tabu« . Im vorliegenden Buch führt er Autoren zusammen - Karl Jaspers, Bruno Snell, Hermann Schmitz und Julian Jaynes -, die oft in mythologischer Ferne erscheinende Annahmen, wie den »Urvatermord«, in einen Nahbereich rücken. Dafür besteht eine gute Quellenlage: Gemeint ist die Epochenschwelle »Achsenzeit« (wie es Karl Jaspers in Vom Ursprung und Ziel der Geschichte 1949 formulierte). In einem Zeitrahmen von etwa 700 bis 200 vor Christus haben sich gleichzeitig geistige Umwandlungen in Griechenland, Asien und im Vorderen Orient voll-zogen.
Was war vor diesen Umwandlungen und wie haben sie sich vollzogen? Eine Szene aus der Ilias mag das illustrieren. Achilles hat in seiner Wut schon das Schwert halb aus der Scheide gezogen, um damit den Heerführer Agamemnon zu töten, der ihm Briseis, seine schöne Kriegsbeute, genommen hat. In diesem Augenblick tritt die Göttin Athene hinter ihn und greift ihm ins Haar. Er wendet sich um und erkennt die Göttin, die ihn mit fürchterlichem Auge anstrahlt. Er fragt sie,
warum sie gekommen sei; sie antwortet, um seinen Zorn (»thymos«) zu stillen, habe die Göttin Hera sie geschickt. Er gehorcht und steckt sein Schwert zurück in die Scheide. Seine Gefährten haben von dieser Szene nichts bemerkt (Ilias, I. Gesang). Der Altphilologe Bruno Snell versteht sie so, dass Achilles noch keine Autorisierungsinstanz, kein Gewissen hatte, sondern in kritischen Situationen direkt von den Göttern geleitet worden se