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Nach anderthalbjähriger Umbauzeit öffnete das Wiener Sigmund Freud-Museum Ende August 2020 seine Türen wieder für Besucher und Gäste. Die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen im Umfang von vier Millionen Euro hatten es zugelassen, die Ausstellungsfläche zu verdoppeln und damit alle Räume, in denen Freud mit seiner Familie lebte und arbeitete, museal zu erschließen. Mit der Wiedereröffnung des Museums erschien unter dem Titel Freud - Berggasse 19 zeitgleich ein reich bebilderter Katalog, dessen mehr als zwei Dutzend Autorenbeiträge die Leser kapitelweise durch die Räumlichkeiten des »Ursprungsortes der Psychoanalyse« begleiten und seine vielseitigen kulturhistorischen Bezüge dokumentieren.
Das Freud-Museum im Wiener Alsergrund erfreut sich seit langem großer Beliebtheit und hatte, zumindest vor der Corona-Pandemie, jährlich über hunderttausend Besucher aus aller Welt. Zur Besonderheit dieses Ortes, der auch Mahnmal für die Vertreibung und Vernichtung des jüdischen Lebens in Wien ist, gehört, dass die Räume leer sind, da die Familie Freud ihren gesamten Besitz 1938 nach London retten konnte.
Vor diesem Hintergrund stellte die »Bespielung« der Berggasse 19 immer schon eine gewisse Herausforderung dar. Monika Pessler, seit 2014 Direktorin des Hauses, erläutert in ihrem einführenden Beitrag, dass die Ansätze und Ideen, wie hier das Gedenken an die Geschichte der Psychoanalyse Freuds für die Zukunft relevant zu halten wäre, idealerweise aus den Räumlichkeiten des Hauses selbst heraus zu entwickeln seien. In diesem Sinne bemühten sich die für die Neukonzeption
verantwortlichen Architekten Hermann Czech, Walter Angonese und ARTEC Architekten um eine historisch sensible Rekonstruktion von etwas, was eigentlich nicht mehr da ist, was Czech in seinem Beitrag auf die Formel bringt, die Räume seien ein Museum ihrer selbst. Wo einst die medizinisch relevante Spurensuche des Arztes zu »Befunden« führte, war es im Zuge der Sanierungsarbeiten das Freilegen verblasster Spuren in den Räume