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David Bell hat einen besorgniserregenden Bericht über die Behandlung geschlechtsdysphorischer Jugendlicher im Rahmen des Gender Identity Development Service (GIDS) der Tavistock-Klinik vorgelegt. Viele der von ihm beklagten Missstände - u.a. überforderte Kliniker, einseitige Fokussierung auf transaffirmative und medizinisch-körperliche Behandlungsansätze und sozialer Druck, diese nicht in Frage zu stellen, übereilte Indikationsstellung für Hormonblocker und mangelnde Berücksichtigung möglicher psychischer Probleme, die eine Geschlechtsdysphorie verursachen können - werden auch im unabhängigen Zwischenbericht von Cass (2022) aufgeführt, der maßgeblich zur Schließung des Services beitrug. Auch das jüngst veröffentlichte Buch der Journalistin Hannah Barnes (2023), die das Geschehen am GIDS anhand von Interviews mit zahlreichen Beteiligten rekonstruiert, bestätigt das von Bell gezeichnete Bild. Eventuell hat das institutionelle Versagen des GIDS auch ein rechtliches Nachspiel: Eine Sammelklage gegen Tavistock mit über 1000 Klägern befindet sich derzeit in Vorbereitung (vgl. Lovett 2022). Auch wenn man Bells Ansichten über Transgeschlechtlichkeit nicht teilt, ist die Tatsache, dass er wegen glaubwürdiger ethischer Bedenken reale Missstände benannt hat, anzuerkennen und zu würdigen.