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In seinem Buch-Essay »Psychisches Trauma ohne Psyche?« kritisiert Georg Bruns (2023) Bessel van der Kolks (populär-)wissenschaftlichen Bestseller Verkörperter Schrecken. Traumaspuren im Gehirn. Es ist nicht meine Absicht, dieser Kritik grundsätzlich zu widersprechen oder van der Kolk gegen Bruns zu verteidigen. Die sicher methodisch unzureichende und kurzschlüssige Beziehungssetzung zwischen Befunden der Neurowissenschaften und Phänomenen des Geistig-Psychischen ist fast immer fragwürdig. Aber wie soll sich die Psychoanalyse angesichts der durch neue Methodik entstandenen immensen Zunahme an neurowissenschaftlichem Wissen in den letzten Jahrzehnten verhalten? Immerhin hatte der junge Freud die Operationen des Gehirns als Abfolge hierarchisch organisierter, dynamischer neurophysiologischer Funktionen sehen wollen, bevor er angesichts des Wissensstandes seiner Zeit davon Abstand nahm und eine unabhängige Disziplin schuf (die Psychoanalyse), in der er die dynamische Organisation des Mentalen rein funktionell erklärte und ausschließlich psychologische Methoden ihrer Erforschung anwandte. Und wenn wir ehrlich sind, haben alle nachfolgenden differenzierten Konzepte der Psychodynamik immer
* Der vorliegende Beitrag kommentiert den Buch-Essay von Georg Bruns: »Psychisches Trauma ohne Psyche? Bessel van der Kolks neurobiologisches Konzept des Traumas«, der in Psyche 11(77)/2023, S. 1002-1031 (DOI 10.21706/ps-77-11-1002) erschienen ist.
Bei der Redaktion eingegangen am 8.11.2023.
ausgehend von neuen »Beispiel-Modellen« (bei der Hydrodynamik angefangen über die Software des Computers bis zu den Gesetzen der Semantik) Anleihen genommen - Analoga entwickelt. Freud selbst blieb ein Leben lang hoffnungsvoll, dass es dereinst gelingen werde, das, was er in psychoanalytischen Studien gefunden hatte, mit neuen biologischen Modellen der Hirnfunktion zu »korrelieren«, die sich als dynamischer und vielschichtiger darstellen müssten als die seiner Zeit (z.B. Freud 1916-1917a [1915-17], 1