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Weniger voluminöse Freud-Biographien gibt es zwar, aber gar nicht mal so viele, und ihr Erscheinen liegt schon eine Weile zurück. Man denke an Mannoni und Wollheim, Lears Arbeit wird auch schon bald 20 Jahre alt. Nachdem in den letzten Jahren von Alt, Roudinesco und Whitebook durchaus erschöpfende Biographien von diskutablem Erkenntnisgewinn zu Freud neu erschienen sind, hat Matt ffytche nun eine kleine Einführung vorgelegt. Ffytche, Professor am Department of Psychosocial and Psychoanalytic Studies der Universität Essex und Mitherausgeber des Journals Psychoanalysis and History, schließt damit eine schmale, aber deswegen nicht weniger bedeutsame Lücke der aktuelleren Freudiana. Die Kurzstrecke bringt bekanntlich Besonderheiten mit sich und verlangt Fingerspitzengefühl im Umgang mit Akzenten und Auslassungen. Auch richtet sich die kurze Einführung für gewöhnlich an ein größeres Publikum. Es stellt sich also auch die Frage, in welches Licht das Leben und Werk Sigismund Schlomo Freuds, geboren 1856 im winzigen Freiberg in Mähren als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in dritter Ehe, einer allgemein interessierten Leserschaft gerückt wird.
In der knappen Einleitung »The Freudian Aftershock« stellt ffytche nicht nur die These auf, dass Freuds Paradigmenbegründung das Selbstempfinden des Menschen fundamental und unwiderruflich erschüttert habe. Er benennt auch die Spannung seines eigenen Vorhabens: Einerseits geht es darum, die Psychoanalyse in ihrem konstitutiven Gehalt hervorzuheben: »our ›I‹ is not a unity« (S. 10). Andererseits heißt es,
auch neuere Studien zur Geschichte der Psychoanalyse aufzunehmen, sie also auch in ihrem gewandelten Verständnis hervorzukehren und dabei die Theorieschöpfung Freuds in ihrer kulturkritischen Relevanz für das 21. Jahrhundert zu umreißen: »a Freud beyond patriarchy, beyond colonialism, beyond heterosexuality and gender inequality, beyond privilege« (S. 11).
Damit fallen Schlagwörter, die der Psychoanalyse in Variationen seit jeher, in de