You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wir kennen alle Freuds Geschichte vom »kleinen Hans«. War sie doch die erste Analyse eines Kindes und einer der fünf großen Fallberichte, die Freud publizierte. Bekannt ist auch, dass Freud mit ihr die Ubiquität des Ödipuskomplexes belegen wollte.
Nun haben Siegfried und Judith Zepf diese Geschichte 115 Jahre nach ihrer Veröffentlichung erneut aufgegriffen und einen beeindruckenden Überblick über die in diesen Jahren dazu erschienene Literatur gegeben, deren Anzahl so immens ist, dass nicht alle Interpretationen in dieses Buch aufgenommen wurden und die Autoren sich auf eine Auswahl beschränkten. Wobei allein schon die Fülle der zum »kleinen Hans« verfassten Arbeiten den lebendigen Gehalt dieser Fallanalyse zeigt.
Das Buch beginnt mit einer Nacherzählung der Geschichte, dann werden 15 Neuinterpretationen vorgestellt, klar gegliedert nach einer Inhaltsangabe der jeweiligen Arbeit, Kommentar und Zusammenfassung. Hier macht schon ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis neugierig: Ein Kapitel umfasst Arbeiten vor 2004, ein anderes solche, die nach 2004 erschienen sind. Im Jahr 2004 wurden die Interviews, die Kurt Eissler 1952 mit Max Graf, dem Vater des »kleinen Hans« und 1959 mit Herbert Graf, dem »kleinen Hans« selbst, geführt hatte, vom Freud Archive der Library of Congress in Washington freigegeben. So ist man gespannt, ob und wie sich die Arbeiten vor und nach dem Bekanntwerden der aus diesen Interviews hervorgehenden Informationen unterscheiden.
Das Ergebnis, das übersichtlich (auch mittels kleiner Tabellen) in einer Zwischenbilanz dargestellt wird, möchte ich hier nicht vorwegnehmen. Eine kritische Anmerkung jedoch zur Sprache: Der ständige, willkürlich anmutende Wechsel zwischen Konjunktiv I (habe, sei etc.) und II (hätte, wäre etc.) beim Wiedergeben der Aussagen anderer Autoren, wo durchgehend Konjunktiv I angemessen wäre, irritiert, lenkt unnötig vom Inhalt ab und trübt die Lesefreude.
Zu den vorgestellten Autoren gehören, um nur einige zu nennen, Erich Fromm, Jo