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Alexander Lurija spielte eine herausragende Rolle in der psychoanalytischen Gemeinschaft, die im Jahrzehnt nach der Oktoberrevolution 1917 in Sowjetrussland kurzzeitig aufblühte. Gemeinsam mit Lev Vygotskij verfasste er 1925 eine Einleitung zu Sigmund Freuds »Jenseits des Lustprinzips«, in der er die Ansicht vertrat, dass der von Freud beschriebene Konservatismus der Triebe durch die Art der radikalen sozialen Umgestaltung, die damals in Russland stattfand, überwunden werden könnte. Indem sie versuchten, die aus ihrer Sicht rückwärtsgewandten Aspekte von Freuds Theorie zu umgehen, ließen Lurija und Vygotskij jedoch auch die Spannung zwischen Eros und Todestrieb weg; genau das Element von Freuds Aufsatz, das sie als »dialektisch« lobten. Im vorliegenden Beitrag wird Lurijas und Vygotskijs Kritik an der Psychoanalyse theoretisch aufgearbeitet. Abschließend wird ihr optimistisches ideologisches Argument gegen den Todestrieb mit den zeitgenössischen psychologischen Forschungsergebnissen von Lurija verglichen und die These aufgestellt, dass Freuds scheinbar konservative Theorie womöglich nicht so antithetisch zu revolutionären Zielen war, wie Lurija und Vygotskij annahmen.