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»Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?« Von Anfang an hat die Psychoanalyse auf diese Frage eine Antwort zu geben versucht. Vor allem hat sie sich im Konflikt mit der Religion gesehen, der ein regressiver und infantiler Charakter attestiert wurde. Verbunden war dies mit der Vorstellung, die Religion verliere zunehmend an Bedeutung und ein säkulares, sich der Realität stellendes Bewusstsein setze sich durch. Doch schon seit langem melden sich Zweifel an dieser Vorstellung. Gleichzeitig hat die religiöse Vielfalt in der multikulturellen Gesellschaft Deutschlands zugenommen. All das - und nicht zuletzt die Fragen von Patienten nach dem Sinn des Lebens - hat eine Gruppe von Berliner Psychoanalytikern (ursprünglich eine Arbeitsgruppe der Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse und Psychotherapie Berlin e.V., APB) dazu bewogen, ihre privaten und beruflichen Erfahrungen mit Religion zu reflektieren. Dabei ist ein Band mit Aufsätzen entstanden, in dem von unterschiedlichen - nicht-religiösen und religiösen, christlichen und muslimischen - Standpunkten aus das Thema aufgegriffen wird. Zu welchen Ergebnissen sind die Autoren gelangt?
Schon im ersten Beitrag - er stammt von Christoph Seidler - wird die Spannweite der Reflexionen deutlich: Auf der einen Seite werden persönliche Erfahrungen ausgebreitet, diejenigen eines biographischen Säkularisierungsprozesses, der allerdings nicht zu einer vollständigen
Abkehr von der Religion, sondern zu einer für religiöse Erfahrungen offenen, »aufgeklärten« Religiosität geführt habe; auf der anderen Seite finden sich begriffliche bzw. theoretische Klärungen: Seidler geht davon aus, dass die Religion zur Condition humaine gehört, und versucht, sich ihr über den - aus dem Briefwechsel von Freud und Rolland bekannten - Begriff des »ozeanischen Gefühls« zu nähern. Freud habe dieses Gefühl auf die Phase der Symbiose des Kleinkinds mit seiner Mutter zurückgeführt, Béla Grunberger dagegen auf einen vorgeburtlichen Zustand, den er als eine Form