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Das Begehren, was ist das? Diese Frage stellt Jacques Lacan im sechsten seiner Seminare, aus dem Jahr 1958/1959. Er stellt sie vor dem Hintergrund des Wunschparadigmas, das Freud zufolge die Funktionsweise des seelischen Apparates strukturiert (vgl. Freud 1900a, S. 625). Um sich der Frage anzunähern, entwirft Lacan einen »Graphen des Begehrens«, mit dessen Hilfe das menschliche Verlangen als Effekt eines komplexen Bewältigungsprozesses dargestellt werden kann; eines Bewältigungsprozesses, dessen Ausgang darüber entscheidet, ob das Subjekt als Subjekt des Begehrens zur Existenz gelangt oder ob es verschwindet. Welche Rolle Objekte in diesem Prozess spielen, wird insbesondere dort interessant, wo der französische Psychoanalytiker das Ziel der Objektbeziehungstheorie, auf »reife« Objektbeziehungen als Zeichen eines gereiften Begehrens hinzuarbeiten, in Frage stellt. Der Band schließt eine Lücke im deutschsprachigen Werk Lacans - die französische Originalausgabe erschien allerdings auch erst vor rund zehn Jahren.
Der Titel des Seminars, Das Begehren und seine Deutung (i.O. Le désir et son interprétation), lehnt sich nicht von ungefähr an Freuds Traumdeutung (1900a) an. Freud wartet darin bekanntlich mit der bahnbrechenden These auf, dass jedem Traum ein unbewusster Wunsch innewohnt. Um diesen Wunsch bewusst werden zu lassen, lässt Freud den Träumer zu einzelnen Elementen des Traums frei assoziieren und gelangt auf diese Weise vom manifesten Inhalt des Traums zu den latenten Traumgedanken und ihren artikulierbaren Wünschen; mit der
Pointe, dass diese Wünsche gerade auch an sich Unerwünschtes zum Gegenstand haben können - wie etwa Rachegelüste, skrupellose Rivalität oder wilde Begierden. Freuds Entdeckung ließ den Menschen als ein von wenig schmeichelhaften Kräften angetriebenes Wesen erscheinen, dem die wahre Natur seiner Wünsche merkwürdig unbekannt ist.
Doch zunächst untersucht Lacan in dem ihm eigenen Duktus, wie das Verhältnis zwischen Subjekt und Wunsch zustande ko