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»Wir waren seelenverwandt, dein Vater und ich. Wir erwählten einander, und ich liebte ihn. Aber wie kannst du das beweisen?« sagt Sandra (gespielt von Sandra Hüller) zu ihrem elfjährigen Sohn Daniel, der schon im Bett liegt, als sie nach einem der Verhandlungstage spät nach Hause kommt. Die erfolgreiche, in Deutschland aufgewachsene Romanschriftstellerin ist angeklagt, den tödlichen Sturz ihres Mannes Samuel (Samuel Theis) aus dem Fenster ihres Chalets in den Bergen nahe Grenoble gewaltsam herbeigeführt zu haben. Es gibt keine weiteren Zeugen, und weil ein Unfall ausgeschlossen scheint, steht als zweite Möglichkeit nur der Suizid im Raum.
Der - wiederum bei einem Unfall, im Alter von vier Jahren - nahezu erblindete Daniel (Milo Machado Graner) war in der fraglichen Zeit spazieren, geführt von Snoop, dem Hund des Vaters. Bei seiner Rückkehr findet er den leblosen Körper des Vaters vor dem Haus liegen. Er muss sich entscheiden, ob er der Darstellung des Staatsanwaltes oder der seiner Mutter glaubt, die angibt, zur fraglichen Zeit in ihrem ein Stockwerk tiefer gelegenen Zimmer geschlafen zu haben. Und da der Film kein zweifelsfreies Indiz an die Hand gibt, ist auch der Zuschauer gefordert, diese Glaubensentscheidung zu treffen. Wie aber kommt man zu einer »Gewissheit des Glaubens«: etwa der Gewissheit, in einem anderen eine Seelenverwandtschaft zu spüren und ihn so zu lieben, dass man sich für ein Leben mit ihm entscheidet; oder zu der Gewissheit, wozu die eigenen Eltern fähig sind und wozu nicht; und schließlich zu der Gewissheit,
* Bei der Redaktion eingegangen am 6.4.2024
die nötig ist, um als Richter, Schöffe oder auch als Zuschauer einer Gerichtsverhandlung ein Urteil zu fällen?
Gegenüber ihrem Rechtsanwalt schildert Sandra ihre ersten Begegnungen mit Samuel:
»Er ist einer der wenigen Menschen, die ich kenne … wenn er in einen Raum trat, veränderte sich etwas. Die Atmosphäre verwandelte sich. Ich denke, das ist Charme. Ich habe mich in seinen