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»Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine ist für viele Beobachter darauf zurückzuführen, dass Herr P. verrückt geworden ist« (S. 266). So zitiert Andreas Petersens Der Osten und das Unbewusste im letzten Satz Alexander Etkind, einen Kenner der Geschichte der Psychoanalyse und Erinnerungskultur Russlands, um eine Lücke aufzuzeigen: Einerseits ist die Psychologie ein in der russischen Alltagskultur allgegenwärtiger Erklärungsansatz, andererseits befindet sich das Verständnis des Psychologischen auf dem Stand »vor Freud« (S. 265), kennt also kein Unbewusstes, sondern hält sich an den Augenschein.
Aus Sicht der mit psychotherapeutischen Begriffen und Techniken gesättigten (Populär-)Kultur des Westens ist diese Lücke kaum vorstellbar, nach der Lektüre von Petersens Studie überrascht sie nicht mehr. Denn Der Osten und das Unbewusste legt umfassend und äußerst eingängig dar, wie jedes Nachdenken über psychische Dynamiken, die dem Augenschein verborgen oder unverständlich sind, in Mittel- und Osteuropa politisch ebenso systematisch wie gewaltsam unterbunden wurde, so dass es jahrzehntelang keine Fachkultur der Psychoanalyse oder Tiefenpsychologie gab, an die eine Alltagskultur hätte anschließen können. Wenn Petersen vom »Westen« und »Osten« spricht, meint er darum nicht die derzeitige Propaganda des Herrn P., sondern dass die Rezeption der Texte Freuds und die Entwicklung der Psychologie als Disziplin auf den zwei Seiten des Eisernen Vorhangs in eklatant unterschiedlicher Weise verlief: im Westen als Popularisierung zur
Selbstdisziplin, im Osten weitgehend in Repression und Instrumentalisierung als Disziplinierungsmittel. Der Osten und das Unbewusste ist indes kein Band allein über die Eliminierung der Psychoanalyse im Kommunismus, sondern nimmt das gesamte 20. Jahrhundert in den Blick. Damit wird deutlich, dass die Feindseligkeit des Kommunismus gegen die Psychoanalyse oft an die Verfolgung ihrer Vertreter durch den Nationalsozialismus anschließt, vor allem an d