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Historiker belehren uns, dass das Wort »loneliness« erst mit den Veränderungen der Produktions- und Lebensverhältnisse, die mit der Dampfmaschine entstanden, also etwa ab 1730 (Alberti 2019) nachgewiesen werden kann, jedenfalls in der englischsprachigen Welt ländlicher Briefeschreiber oder der in die wachsenden Städte Vertriebenen. Mittlerweile ist »Einsamkeit« ein so umfassendes Thema geworden, dass etwa in England Mitte der 2010er Jahre nicht nur eine »International Society for Research on Solitude« ihre Arbeit aufnahm, deren Forschungserträge in einem Handbook (Stern et al. 2021) gut lesbar zusammengetragen wurden, sondern dort seit 2018 auch ein Ministerium gegen Einsamkeit existiert. Auch die deutsche Bundesregierung hat 2022 ein Forschungsprogramm zur Bekämpfung der Einsamkeit aufgelegt.
Wörterbücher der Psychoanalyse enthalten überraschenderweise keinen Eintrag dazu, obwohl Frieda Fromm-Reichmann die Schmerzen der Einsamkeit besonders von psychiatrischen Patienten nachhaltig und dicht beschrieben und diese Patienten mit Hingabe psychoanalytisch behandelt hat.
Das Buch von Mareike Ernst, die an der Universität Klagenfurt lehrt, macht hier nun eine bemerkenswerte Ausnahme. Die Autorin erweist sich als vielfältig belesen und informiert. Sie schildert in einem ganz unprätentiösen Stil, was es alles zum Thema zu wissen gibt.
Im ersten Kapitel fragt sie, was Einsamkeit ist, und kontextualisiert verschiedene definitorische Zugänge, knapp für die jüngere Geschichte, aber reichhaltig für verschiedene Kontexte, die Ältere noch erinnern. Bei ihrer Bemühung zu bestimmen, was das Gegenteil von Einsamkeit
sein könnte, merkt man, wie schwierig eine Definition der Einsamkeit selbst ist. Unerfüllte soziale Bedürfnisse? Ein unangenehmes Gefühl? Unzureichende soziale Beziehungen? Solche Definitionsversuche geht sie durch und bietet dann eine Arbeitsdefinition für den Verlauf des Textes an: »Einsamkeit ist somit das Ergebnis eines innerpsychischen, kognitiv-emotionalen Prozesse