You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Raketenalarm in Tel Aviv. Mitten in einer Analysestunde. Der Analytiker muss seinen Patienten nahezu nötigen, von der Couch aufzustehen und sich mit ihm ins schützende Treppenhaus zu begeben, denn: Der Patient gibt vor, sich auf der Couch vollkommen sicher zu fühlen. Was sagt uns diese Szene? Mir wurde beim Lesen schlagartig klar, wie trügerisch das Sicherheitsgefühl der Patienten in der analytischen Situation im Blick auf reale Gefahren ist. Es ist eine illusionäre Sicherheit, die entsteht, wenn sich Patienten vertrauensvoll auf die analytische Beziehung eingelassen haben; eine Sicherheit, ohne die Patienten es nicht wagen würden, sich in die Abhängigkeit vom Analytiker zu begeben und die Regression zuzulassen; eine Sicherheit, die sie gleichzeitig auch höchst vulnerabel gegenüber realen Gefahren macht. Diese Szene – im Buch eine von vielen, die plötzlich ein analytisches Verständnis eröffnen – zeigt, dass Patienten im Zustand der Regression auf den unbedingten Schutz ihrer Analytiker angewiesen sind. Sie zeigt auch, wie verheerend sich das Versagen dieser Schutzfunktion auswirken kann. Der Autor erwähnt sexuellen Missbrauch in der Analyse nicht explizit, aber er schildert die Gefühlslage des analytischen Paares so lebendig, dass er zum Weiterdenken anregt, gerade weil er nicht doziert.
Das Buch des israelischen Analytikers Eran Rolnik, aus dem die Szene stammt, ist die nachträgliche Niederschrift einer Reihe von Zoom-Veranstaltungen, die während des Lockdowns der Pandemie unter dem
Titel »Psychoanalyse in Gefahr« stattfanden. Rolnik bezeichnet diese »digitale Begegnungsreihe« als »freie Assoziationen eines Klinikers und Historikers der Psychoanalyse über Theorie, Technik, Philosophie und Geschichte des psychoanalytischen Denkens« (S. 12). Die Überschriften der dreizehn Kapitel bestehen im Wesentlichen aus Grundbegriffen der Psychoanalyse. Unter der jeweiligen Überschrift macht der Autor auf den Inhalt neugierig, indem er seine Themen kurz, gelegentlich auch provo