You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»Wörter haben diese Art von Gewichtigkeit, sie haben etymologische Wurzeln, sie haben eine Geschichte. Wie menschliche Wesen kämpfen sie manchmal darum, ihre Identität zu festigen und zu erhalten.«
Heimat, daheim, heimisch. Mit diesen Wörtern leitet der Autor sein Thema ein. Es ist eine besondere, ungewöhnlich facettenreiche Geschichte des Begriffs »Heimat«, dem Gross aus psychoanalytischem Blickwinkel, aber unter reichlicher Einbeziehung von historischen, literarischen, psychosozialen Beispielen, von Politik, Psychologie, Soziologie und Anthropologie auf den Grund geht, um immer wieder vielseitig angereichert zur analytischen Perspektive zurückzukehren. Die Vielschichtigkeit des Heimatbegriffs wird von Beginn an thematisiert: Kann man sich nur an einem Ort oder an mehreren zuhause fühlen? Bringt das Wort »Heimat« sehnsuchtsvoll rückwärts oder vorwärts gewandte Bilder hervor? Steht das Herkunftsland oder das Ankunftsland und damit: Vergangenheit oder Zukunft im Vordergrund? Und wie groß ist dadurch der Energieverlust der Gegenwart? Rasch wird deutlich, dass Heimat kein Ort ist, sondern das Resultat von Beziehungen, die weit zurück reichen: »Diese verschiedenen Mosaiksteine von Heimat, diese Heimaten im Plural, konstituieren gemeinsam unsere Identität als Erwachsene«
* Rainer Gross: Heimat: Gemischte Gefühle. Zur Dynamik innerer Bilder. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2019. 175 Seiten, € 20,00
(S. 14). Doch dieser Aufbau der Identität ist gefährdet und verlangt zu seiner Erhaltung vom Subjekt, »lebenslang um Integration bemüht« zu sein (S. 91). Das macht auch die Heimat zu einem »heißen« Thema.
Mosaiksteine und Identitätssplitter. Im Identitätsgefühl drücken sich neben den vorbewussten und bewussten auch unbewusste Phantasien aus, die für die Entwicklung eines reifen Identitätsgefühls integriert werden müssen. Ist die Identität geschwächt und aufgesplittert, bedarf es eines »Behälters, der Schutz und Grenze« bietet, wie ein psychoanalytische