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Der Autor Boualem Sansal, Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2011, wurde am 16. November 2024 bei seiner Rückkehr aus Frankreich am Flughafen von Algier verhaftet. Erst als seine Verhaftung Tage später öffentlich wurde, sah sich das algerische Regime veranlasst, zu den Gründen Stellung zu nehmen. Die Stellungnahme liest sich wie eine unheimliche Wiederkehr der stalinistischen Sprache: Sansal sei ein »macronitischer Zionist«, stehe auf Seiten des marokkanischen Königshauses und der kabylischen Unabhängigkeit, er wolle also den algerischen Staat als islamischen Einheitsstaat zerstören, heißt es da. Mittlerweile wurde Anklage nach §87 des algerischen Strafgesetzbuches erhoben, mit dem missliebige Meinungen zu Terrorismus erklärt werden. Seinem Verteidiger wurde die Einreise nach Algerien untersagt. Es geht allein um seine politische und vor allem: seine ästhetische Haltung. Sansal hat 2024 die französische Staatsbürgerschaft angenommen und plante, nach Frankreich zu übersiedeln. Nach Jahrzehnten des Ausharrens in Algerien war ihm die Sicherheit für seine Familie und ihn selbst wichtiger als das politische Symbol, weil das algerische Regime in seiner eindeutigen pro-russischen und den islamischen Terrorismus unterstützenden Haltung jede politische Zurückhaltung aufgegeben hat.
Ich habe 2019 einen Vortrag über Sansal beim Forum Literatur und Psychoanalyse in Freiburg gehalten, der bislang nicht veröffentlicht wurde; es schien mir zu persönlich, über einen Freund psychoanalytisch zu schreiben, der selbst ein Freund der Psychoanalyse ist. Jetzt erscheint
* Eingegangen 25.11.2024, angenommen 29.11.2024.
es mir geradezu notwendig. Sansal ist schwer krank und wird seit Mitte Dezember in einem Haftkrankenhaus in Algier festgehalten. In mehreren Aufrufen haben sich Nobel- und Friedenspreisträger für seine Freilassung eingesetzt, bislang vergeblich. Informationen über Boualem Sansal und sein Werk sowie Unterstützungsmöglichkeiten sind unter