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Das Massaker an israelischen Zivilisten am 7. Oktober 2023 hat anstelle von Entsetzen und Empathie eine Welle antiisraelischer Proteste hervorgebracht, die sich eng mit sehr viel älteren antisemitischen Klischees und Verschwörungsmythen verbinden. Der Beitrag geht zunächst traditionellen Motiven des Antijudaismus in der christlichen Welt nach, die sich in der Folge der Aufklärung – und als Abwehrreaktion auf die damit verbundene Moderne – in einen biologisierten Antisemitismus transformiert haben. Sowohl in subtilen und verdeckten wie auch in offen aggressiven Formen des Antisemitismus der Gegenwart finden sich Traditionslinien, die teils sehr bewusst, in großen Anteilen aber auch unbewusst zwischen den Generationen weitervermittelt werden. Unbewusst bleiben vor allem die abgewehrten Selbstanteile, die sich besonders leicht auf das immer schon vorhandene und beliebig variierbare Bild von »den Juden« projizieren lassen. Dabei verschränken sich insbesondere in der deutschen Gesellschaft nach dem Holocaust Motive der Schuldabwehr mit jenen der traditionellen Abwehr von Ängsten, Verunsicherungen und tabuisierten Triebimpulsen, aber auch mit narzisstischen Profiten.