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Der Titel des hier vorzustellenden Buches weist bereits darauf hin, welche Perspektive der Autor auf Freuds Verhältnis zur Religion einnimmt. Die Formulierung »Freud wider Gott« basiert auf der Vorstellung, dass dieses Verhältnis allein kritisch gewesen sei: Freud habe sich in einem Konflikt mit Gott befunden und sei mit den Mitteln der Kritik gegen diesen vorgegangen. Die Frage ist nicht, ob das stimmt, ob Freud tatsächlich als Kritiker der Religion verstanden werden kann – das kann er zweifellos –, sondern ob Freuds Verhältnis zur Religion hinreichend bestimmt ist, wenn es als rein kritisch begriffen wird, oder ob es nicht wesentlich komplexer war, als es der Titel des Buches nahelegt.
Christfried Tögel ist ein ausgewiesener Kenner der Freud’schen Biographie und Herausgeber der Sigmund-Freud-Gesamtausgabe. Sein Buch gliedert sich in vier Kapitel, in denen zum einen auf die Biographie Freuds sowie die Frage eingegangen wird, wie sich sein Verhältnis zur Religion im Laufe seines Lebens entwickelte, zum anderen auf jene Schriften Freuds, die sich mit Fragen der Religion befassen. Diese Gliederung ist plausibel, verweist auf den Zusammenhang von Leben und Werk, genauer gesagt darauf, dass die theoretischen Überlegungen von Freud zur Religion vor dem Hintergrund seiner Lebensgeschichte verstanden werden können. Doch ist die Psychoanalyse auch insgesamt als ein Projekt zu verstehen, das sich gegen die Religion richtet?
Vieles spricht zunächst für das »wider Gott«. Der Autor macht dies entlang der Biographie deutlich, indem er darauf verweist, dass Freuds Eltern keinen Wert auf eine religiöse Erziehung ihres Sohnes legten, dass während der Schulzeit Freuds Interesse an einer wissenschaftlichen Sichtweise auf die Natur geweckt wurde und Freud damit begann, sich
mit Darwin und dessen Theorie der Evolution auseinanderzusetzen. Während des Studiums wurde ihm dann klar, dass Wissenschaft und Religion nicht miteinander vereinbar sind, sondern in einem Konflikt miteinander ste