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Glaube, Liebe, Hoffnung – das sind die Kardinaltugenden des Christentums seit Paulus. Wenn dem heutigen Alltagsverständnis die Hoffnung spontan als etwas Positives erscheint, dann schreibt es, zumindest in dem vom Christentum geprägten Kulturkreis, diese Tradition fort. Am Ende ist es nichts Geringeres als die Hoffnung auf Wiederauferstehung von den Toten, dem diese Religion ihre Strahlkraft verdankt. Hoffnung zielt in diesem theologischen Sinn auf das höchste Gut als Überwindung des Todes und das Versprechen ewigen Lebens. Daran orientieren sich selbst noch ihre schärfsten Kritiker. Wenn der in Schulpforta im strengen Geist des Protestantismus aufgewachsene Friedrich Nietzsche mit dem Kampfruf »Gott ist tot!« in die Kulturgeschichte einging, so steht er immer noch in dieser Tradition. Konsequent ist es auch, dass er nicht weniger hart mit der Hoffnung abrechnete. Danach ist Hoffnung »das übelste der Übel, weil es die Qual der Menschen verlängert« (Nietzsche 1972 [1887], Bd. I, S. 495).
An diesen Fluch knüpft ausgerechnet jener Philosoph an, der fast hundert Jahre später die Hoffnung zum Prinzip erhob, Ernst Bloch. »Good breakfast, bad dinner« – so definierte er salopp im privaten Umgang sein Prinzip Hoffnung und milderte dabei wie im Märchen den Fluch Nietzsches ab. Geboren aus dem Mangel, drängt die Hoffnung auf dessen Abschaffung. »Good breakfast, bad dinner» – das ist die locker
* Eingereicht am 6.9.2024, angenommen am 21.1.2025.
pragmatische Übersetzung ins Amerikanische dessen, was seit Platon die Struktur des Eros bezeichnet: Haben und Nicht-Haben zugleich. Wiewohl der Eros häufig mit dem Adjektiv »göttlich« geschmückt wird, kann er philosophisch gesehen kein Gott sein, denn ihm fehlt die Vollkommenheit. Er ruht keineswegs in sich selbst, sondern strebt im Gegensatz leidenschaftlich nach etwas, das ihm fehlt (Platon 1972, S. 232). Die Sehnsucht danach ist Ausdruck seines Mangels, wenn auch verbunden mit der Hoffnung, diesen