You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»Die beiden Männer bekundeten ein übertriebenes Interesse am Zustand ihrer Nasen – ein Organ, das übrigens zuerst Fließens Interesse an Sexualvorgängen geweckt hatte«
Die Relevanz des Dramas und der Erzählung für die Gewinnung psychoanalytischen Wissens, psychoanalytischer Metaphorik und Methodik steht außer Frage (Berndt & Goebel 2017, S. 3–43). Geläufig ist bereits früh die Rede vom »Privattheater« (Freud & Breuer 1970, S. 20) agierender Neurotiker oder das Verständnis der Tragödie als Archiv des Ödipuskomplexes seit den entsprechenden Passagen in der Traumdeutung (Freud 1900a, S. 267–272). Der Nutzen des »Aberzählens« (Freud & Breuer 1970 [1895], S. 37) wiederum ist seit den Studien über Hysterie ebenso bekannt wie später dann die aufgrund des Medienwechsels – Freuds Laokoon-Problem (Goebel 2022) – freilich heikle Verschriftlichung des primär visuell erlebten Traums. Literatur- und wissenschaftstheoretisch reflektiert wurde die Klassifizierung der Fallgeschichte als »Novelle« (Höcker 2017) oder auch die Charakteristik des klassisch gewordenen Beitrags zu
* Eingegangen am 3.6.2025. Angenommen am 5.7.2025.
Leonardo da Vinci als »psychoanalytischer Roman« (Freud 1910c, S. 207) durch den Begründer der Psychoanalyse.
Die psychoanalytische Bedeutung der Lyrik hingegen, die seit den frühen Hymnen Goethes immerhin als leidenschaftliche Artikulation von Subjektivität und noch von Adorno mit Blick auf Stefan George als Dokument einer »entsunkene[n] Seelenlage« (Adorno 1997 [1957], S. 65) beschrieben worden ist, wurde bislang nicht umfassend diskutiert. Dabei steht auch die Lyrik am Anfang der Psychoanalyse, genauer ein kurzes Gedicht, das die Verführung der Gans durch den eloquenten Fuchs zum Thema hat. Es lautet, und es spricht der Fuchs:
»Ich liebe Dich,
herzinniglich,
komm, küsse mich,
Du könntest mir von allen
Tieren am besten gefallen« (Freud 1986, S. 334).
Geschrieben hat dieses Gedicht Sigmund Freuds damals neunjähriger Sohn Martin im Jahr 1898