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Der Beitrag untersucht die ambivalente Rolle der Psychoanalyse im Feld psychiatrischer Diagnostik und beleuchtet ihre wissenschaftshistorische, theoretische und klinische Stellung zwischen Ausgrenzung und Integration. Er rekonstruiert, wie sich psychoanalytische Diagnostik seit Freud als zugleich individualisierende wie generalisierende Praxis formiert – und dabei stets mit dem Widerspruch zwischen Einzelfallorientierung und kategorialer Typisierung ringt. In Auseinandersetzung mit Freuds Auffassungen zur Diagnostik, Klassifikationssystemen wie DSM-5 und ICD-11 sowie wissenschaftsphilosophischen Konzepten (Hacking, Forrester, Latour) wird gezeigt, dass die psychoanalytische Fallgeschichte nicht nur therapeutisches Werkzeug, sondern auch epistemologische Strategie ist. Analysiert wird die wechselvolle Position der Psychoanalyse im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Parawissenschaft. Der Text plädiert für ein »doing psychoanalysis«, das sich der historischen und diskursiven Bedingtheit psychopathologischer Diagnosen bewusst bleibt – und argumentiert gegen diagnostischen Essentialismus zugunsten eines »reasoning in cases«.