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Brett Kahr schreibt viele Bücher über viele verschiedene Themen, aber seine größte Leidenschaft ist die Geschichte der Psychoanalyse. Oder sollte man besser sagen: Geschichten über die Psychoanalyse? Vielleicht noch genauer: Geschichten über die britischen Psychoanalytiker und Psychoanalytikerinnen.
Kahr bevorzugt die Geschichten mit persönlichen, gern auch intimen Details. Beim Lesen ist man zwischen Neugier, Verwunderung, Irritation und Abwehr hin- und hergerissen. An diese Achterbahn der Gefühle gewöhnt man sich nicht, sie bleibt bis zur letzten Geschichte bestehen. Wenn man vorhat, sich bezüglich der britischen Psychoanalytiker desillusionieren zu lassen, dann gibt dieses Buch reichlich Gelegenheit, dieses Vorhaben zu verfolgen.
Von den zehn Kapiteln, die es umfasst, sind neun bereits an anderer Stelle, aber zum Teil in kürzerer Form publiziert worden. Kahr hat im Laufe seines Lebens rund 900 Interviews mit Personen geführt, die in irgendeiner Form mit den Pionieren der englischen Psychoanalyse, zum Teil auch mit ihren noch lebenden »Ikonen« zu tun hatten. Seine offensichtliche Bewunderung dieser »Ikonen«, zu denen insbesondere Winnicott gehört, hält ihn nicht davon ab, auch beschämende und kompromittierende Details zu erwähnen. Dies gehört zu den desillusionierenden und irritierenden Seiten des vorliegenden Buches.
Gerechterweise muss ich erwähnen, dass nicht alle Kapitel hauptsächlich persönliche Geschichten und Anekdoten erzählen. In drei von
zehn Kapiteln berichtet Kahr von wissenschaftlichen Entdeckungen, die interessante Informationen für die Psychoanalysegeschichte enthalten. Er fand einen frühen, unbekannten Text von John Bowlby: »Hysteria in children«, veröffentlicht 1939 im ersten britischen kinderpsychiatrischen Sammelband A Survey on Child Psychiatry (herausgegeben von Ronald Gordon). Zu einem Zeitpunkt, als außerhalb der psychoanalytischen Zusammenhänge kaum jemand annahm, dass auch Kinder an neurotischen Erkrankungen leiden könnten, betonte Bowlby