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Anlass, den vorliegenden Beitrag auszuarbeiten, bildete die Einladung, im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung »Innenwelten. Sigmund Freud und die Kunst« (Kunsthalle Tübingen 2023/24) durch das Institut für Psychoanalyse Stuttgart-Tübingen vorzutragen. Es mag paradox anmuten, dafür eine Zeichnung zu wählen, die der Schriftsteller, von dem sie gezeichnet wurde, nach eigener Auskunft in der Außenwelt ansiedelt, wobei er durchaus bewusst, also keineswegs unbewusst, das Thema Folter im Sinn hatte. Abgesehen davon äußerste sich dieser Schriftsteller, im Gegensatz zu den Surrealisten, eher skeptisch über die Psychoanalyse, insbesondere ihren therapeutischen Teil – sie sei ein »hilfloser Irrtum« (Brief vom 7.10.1920; zit. n. Koch, 2013, S. 355) – und scheint weit entfernt davon, ihr in irgendeiner Weise zu huldigen.
Es mag verwundern, die Zeichnung eines Autors zu wählen, dessen Name aufgrund seiner Werke als Adjektiv in die Sprache – und offenbar nicht nur in die deutsche – zur Charakterisierung absurder, unheimlicher sowie undurchschaubarer, irgendwie bedrohlicher und düsterer Situationen eingegangen ist. Denn zumindest auf den ersten Blick haben seine Zeichnungen so gar keine »kafkaeske« Qualität. Und so sehr
* Eingereicht: 30.4.2025, angenommen: 21.8.2025.
Kafka eine Zeitlang einen gewissen Ehrgeiz1 in Sachen Zeichnen an den Tag gelegt zu haben scheint, so wenig verfolgte er das Zeichnen in den weiteren Jahren – ganz im Gegensatz zum Schreiben, das für ihn die Essenz seines Lebens ausmachte. Ein breiteres Publikum kennt zwar schon lange einige von Kafkas gezeichneten Figuren, weil Max Brod, dem der Erhalt nicht nur der Schriften, sondern auch der Zeichnungen zu verdanken ist, sie als Titelbilder für von ihm posthum veröffentlichte Werke Kafkas verwandte. Mit der kritischen Edition der Tagebücher und Briefe (seit ) bei S. Fischer konnten dann auch die darin enthaltenen Grafiken zur Kenntnis genommen werden.
Aber erst der 2021 von Andreas Kilcher herausgeg