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Dieses Buch über das Schaffen und Wirken von Harald Schultz-Hencke während des Nationalsozialismus hat einen sehr spezifischen Kontext, der auch den Ton darin bestimmt. Man muss diesen Kontext kennen, sonst versteht man nicht die Motivation, es zu schreiben, und auch nicht den Ton, der es durchzieht. Viele ältere Psychoanalytiker in Deutschland werden einzuordnen wissen, welch längst fällige Arbeit Steffen Theilemann sich hier gemacht hat. Für viele jüngere Psychoanalytiker wird sich der Entstehungshintergrund dieses Buches nicht so leicht erschließen.
Harald Schultz-Hencke stand von den 1960er Jahren an, also Jahre seit seinem Tod, im Zentrum der teils hart geführten Auseinandersetzungen zwischen der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) und der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG), weil er in den Verdacht geraten war, in der NS-Zeit nationalsozialistische Einstellungen übernommen und in seinen Büchern verarbeitet zu haben. Daraus folgte eine bis heute affektiv aufgeladene Ablehnung seiner Person und seiner Arbeiten.
Theilemann hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Bild zu korrigieren und die Person Schultz-Hencke sowie sein Werk zu rehabilitieren. In seinem 2018 erschienen Buch Harald Schultz-Hencke und die Freideutsche Jugend beschreibt Theilemann, wie Schultz-Hencke über sein Medizin- und Philosophiestudium (bei Rickert, Cohn, Heidegger und vor allem Husserl) und die Teilnahme am und den Verletzungen im Ersten
Weltkrieg schließlich zum aktiven Mitglied der Freideutschen Jugend wurde. Schultz-Hencke veröffentlichte etwa 50 Arbeiten zu sozialpolitischen, reformpädagogischen und ökonomischen Themen, äußerte sich zu Fragen der materiellen Gerechtigkeit, Frauenemanzipation und der Anerkennung von Homosexualität, lernte Walter Benjamin, Walther Rathenau und Siegfried Bernfeld kennen, distanzierte sich von der antisemitischen und völkischen Wandervogelbewegung und näherte sich schließlich der Psychoanalyse. Theilemann beendet sein erstes Buch üb