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Narzissmus war bisher kein zentrales Thema der Theoriebildung in der phänomenologischen Psychopathologie. Im vorliegenden Aufsatz skizzieren die Autoren ein existenzial-phänomenologisches Konzept des Narzissmus und deuten die wesentlichen Dimensionen an, in denen es sich entfalten lässt. Zentral dabei ist ein Mangel an leiblich verankertem Selbstwert, der sich in einer inneren Leere und Unerfülltheit manifestiert und der zur (tragischen) Suche nach äußeren Surrogaten führt. Leitend ist bei diesem Ansatz erstens ein klinisches Bedürfnis, bestimmte Zusammenhänge besser zu verstehen; zweitens ein gesellschaftskritisches, insofern Narzissmus offenbar eine Subjektivierungsform ist, die unsere Zeit prägt; drittens ein philosophisch-anthropologisches, da der leiblich verankerte Selbstwert, seine Schwankungen und der oft problematische Umgang damit uns alle als Menschen betrifft. Thematisiert wird nacheinander (1) der Mangel als Existenzial; (2) der Selbstwert als leibliches Selbstverhältnis; (3) der Ovid-Mythos in einer neuen Interpretation; (4) Ideal-Ich und reale Leiblichkeit; (5) narzisstische Intersubjektivität und die Unterschiede der Geschlechter; schließlich (6) der Narzissmus als Form der Kultur.