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In diesem Beitrag möchte ich die Aufmerksamkeit auf die wichtigen Konsequenzen lenken, die sich aus einer Reihe neuerer theoretischer Schlußfolgerungen für die praktische Seite des Problems der negativen therapeutischen Reaktion ergeben. Ich spreche von den jüngsten Arbeiten Melanie Kleins und insbesondere von ihrem Vortrag über die depressive Position, den sie auf dem Luzerner Kongreß gehalten hat (Klein, 1935).
Zunächst einmal ist zu definieren, was wir unter einer negativen therapeutischen Reaktion verstehen. Freud bezeichnete mit diesem Begriff ein Phänomen, das er als spezifische Manifestation innerhalb der Mannigfaltigkeit unseres Fallmaterials betrachtete, wenngleich er auch sagt, daß mit diesem Faktor in sehr vielen Fällen zu rechnen sei. Als ich mir Freuds Erläuterungen zu dieser Frage noch einmal ansah, fiel mir etwas Interessantes auf: sie lauten nämlich anders, als man sie gemeinhin erinnert oder wiedergibt. Die negative therapeutische Reaktion wird, so meine ich, normalerweise als Zustand begriffen, der eine Analyse letztlich
* Dieser Text basiert auf einem Vortrag, den Joan Riviere am 1.10.1935 vor der British Psycho-Analytical Society gehalten hat. In der englischsprachigen Originalfassung erschien er unter dem Titel »A Contribution to the Analysis of the Negative Therapeutic Reaction« im International Journal of Psychoanalysis, 17/1936, S. 304–320. Die vorliegende Übersetzung von Elisabeth Vorspohl ist zuerst erschienen in: Joan Riviere: Ausgewählte Schriften (Theoretikerinnen der Psychoanalyse, Bd. 1), hg. von Lilli Gast, Tübingen (edition diskord) 1996, S. 138–158. Wiederabdruck mit freundlicher Genehmigung des Brandes & Apsel Verlags.
ausschließt und unmöglich macht; die Formulierung wird ständig in der Bedeutung von »unanalysierbar« benutzt. Nahezu sämtliche einschlägige Äußerungen Freuds finden sich in Das Ich und das Es (1923b), einer Arbeit, in der er sich auf den letzten achtzehn Seiten mit dem Problem des unbewußten Schuldgefühls beschäftigt