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»Neutralität« – im deutschsprachigen Raum gehört dieser Terminus keineswegs zum psychoanalytischen Standardvokabular, das man automatisch mit bestimmten Autoren und ihren Gründertexten assoziieren würde. Mit ein wenig Übertreibung könnte man behaupten, der Begriff »Neutralität« komme zunächst einmal ziemlich »neutral« daher. Keine Schule hat ihm ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt oder ihn in einer ganz bestimmten Farbe gemalt.
Stattdessen fällt der Begriff in unseren kriegerischen Zeiten vor allem im Zusammenhang mit der internationalen Politik und führt zu der Frage, ob denn die Neutralität, wie sie in der Psychoanalyse verstanden wird, etwas mit ihrer Bedeutung im politischen Kontext zu tun hat. Gemäß dem lateinischen Ursprungswort »ne-uter«, »weder das eine noch das andere«, meint Neutralität auf der politischen Bühne, dass ein Staat in einer Konfliktsituation zwischen zwei Staaten keine der Konfliktparteien unterstützt oder aber, dass er kein Mitglied eines Bündnisses ist, das ihn verpflichtet, für eine Seite Partei zu ergreifen.
Ähnlich aktuell erscheint eine zweite Bedeutung von »Neutralität«, die in demokratischen Staaten als Rechtsstaatsprinzip bekannt ist: Exekutive und Judikative sind demgemäß organisatorisch deutlich voneinander getrennt, mit anderen Worten: das Gericht ist kein Handlanger des Staates, es ist eine neutrale Instanz. Die Entwicklung in bestimmten
* Veränderte und erweiterte Fassung der Einführung in das Thema »Neutrality – Neutralität – Neutralité« der 39. Jahrestagung der Europäischen Psychoanalytischen Föderation (EPF), die am 27./28. März 2026 in Oslo, Norwegen, stattfand. Das vorliegende Heft der Psyche versammelt Schriftfassungen der drei Hauptvorträge dieses Kongresses von Siri Gullestad, Adela Abella und Thomas Jung, gefolgt von einem Panelbeitrag von Dana Amir.
Bei der Redaktion eingegangen am 16.3.2026.
autoritär, autokratisch geführten Staaten zeigt, wie schnell dieses Prinzip über den Haufen geworfen werden kann.
In der Phi