You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Neutralität als eines der am gründlichsten missverstandenen Konzepte der Psychoanalyse bezieht sich auf Technik und Funktion, nicht auf die emotionale Präsenz des Analytikers in der analytischen Situation. Es bedeutet nicht, gleichgültig, kalt oder unsensibel zu sein – die analytische Situation ist eine analytische Beziehung, in die der Analytiker eng eingebunden ist –, sondern bezieht sich auf eine radikal nicht wertende Haltung, des offenen Zuhörens, die dem Patienten die Freiheit gibt, sich ohne Furcht vor moralischer Bewertung auszudrücken. Die Autorin vertritt die Auffassung, dass Neutralität für die Definition einer Behandlung als psychoanalytisch wesentlich ist; ebenso wie das parallele Konzept der Abstinenz, das impliziert, dass Übertragungswünsche nicht befriedigt, sondern analysiert werden. Befriedigung dagegen bedeutet, dem Patienten die analytische Hilfe vorzuenthalten, um den eigenen Anteil an seinem Leiden zu verstehen. Neutralität erweist sich als wesentlich, um den Prozess des Individuums hin zu größerer Freiheit und Selbstbestimmung zu unterstützen.