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Das psychoanalytische Konzept der Perversion zielt seit jeher auf ein Doppeltes: Einerseits bezeichnet es seit Freud die »polymorph-perverse« Triebanlage des Menschen, womit gesagt ist, dass die alltagssprachlich »pervers« genannten Abweichungen von der genitalen Heterosexualität gar keine Abweichungen darstellen, sondern das ursprünglich vielgestaltige Wesen der Sexualität widerspiegeln. Andererseits wird der Perversionsbegriff in der Psychoanalyse gebraucht, um die misslingende Bewältigung von seelischen Konflikten, Traumata und Entwicklungsaufgaben in Gestalt von zwanghaft praktizierten sexuellen Ritualen zu bezeichnen; das Urmodell hierfür findet sich ebenfalls bei Freud, in seiner Theorie des Fetischismus als Kastrationsverleugnung. Zwischen diesen beiden Bedeutungen – der Perversion als ursprünglicher Vielfalt des Sexuellen und der Perversion als Abwehrsexualisierung – besteht seit jeher eine Spannung, der kein Autor, der sich auf den Perversionsbegriff bezieht, ausweichen kann.
Die Geschichte der Psychoanalyse kennt zahlreiche Versuche, diese Spannung in die eine oder andere Richtung aufzulösen. Betont man etwa nur den Aspekt der polymorphen Sinnlichkeit, so erscheint die Perversion in positivem Licht: Perverse Sexualität wird zur spielerischen
* Binswanger, R. . Reden über Trieb, Sexualität und Gender. Grundlagen für die psychotherapeutische Praxis. Unter Mitarbeit von Monika Gsell. Mit einem Geleitwort von Wilhelm F. Preuss. Psychosozial-Verlag. .
Bei der Redaktion eingegangen am 30.1.2026.
Kraft, zur von der bürgerlich-kapitalistischen Sexualmoral unterdrückten subversiven Lust. So vertrat es etwa Herbert Marcuse (1979, S. 49), der die Perversion zur »promesse de bonheur« in der triebrepressiven Gesellschaft kürte – und dabei klinische Theorien zur Perversion als pathologischem Triebschicksal ignorierte. Das Gegenstück hierzu, das Herunterbrechen der Perversion auf ihren pathologischen Abwehraspekt, findet sich dagegen in vielen kl