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Das vorliegende Doppelheft der Psyche widmet sich dem Thema »familiäre Gewalt« mit ihren psychologischen Bedingungen sowie Auswirkungen auf die seelische und körperliche Gesundheit. Der Begriff wird oft synonym mit »häuslicher Gewalt« gebraucht und schließt partnerschaftliche Gewalt mit ein.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2024 (Bundeskriminalamt, 2025) weist 265 942 Opfer häuslicher Gewalt aus. 171 069 von ihnen waren Opfer von Partnerschaftsgewalt, 94 873 Opfer von andersartiger innerfamiliärer Gewalt. Die Opfer der Partnerschaftsgewalt waren zu 79,3 Prozent weiblich. Die Zahlen geben die Fälle von häuslicher Gewalt wieder, die zur Anzeige gelangt sind, das sogenannte Hellfeld. Das Bundeskriminalamt geht allerdings von einer hohen »Dunkelfeld«-Quote aus. Die Anzeigequote für häusliche Gewalt insgesamt soll unter zehn Prozent liegen. Männer bilden mit Anteilen von 70 bis 80 Prozent die weitaus größte Gruppe unter den Tatverdächtigen. Die tatsächliche Häufigkeit häuslicher Gewalt unter Einschluss des Dunkelfeldes liegt vermutlich zehn- bis zwanzigmal höher, so dass sich eine erschreckende Häufigkeit häuslicher Gewalt errechnet.
Norbert Elias (1969) beschreibt in seinen Untersuchungen zum Prozeß der Zivilisation, wie sich Gesellschaften mit der Einrichtung u.a. von staatlichen Gewaltmonopolen über viele Jahrhunderte zentralisiert haben und wie sich parallel dazu auch Persönlichkeiten verändert haben, indem die Kontrolle gerade auch der aggressiven Affekte von der Außenwelt in die Innenwelt verlegt worden ist. Das Leben werde sicherer, »die Gewalttat ist kaserniert« (Bd. 2, S. 325). Der Evolutionspsychologe Steven Pinker (2011) vertritt ebenfalls die Ansicht, dass die Gewalt im Laufe der Geschichte abgenommen habe.