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Beim Lesen des Buches Wie viele noch? Deutschlands gebilligte Femizide von Prof. Dr. Kristina F. Wolff, Gründerin des Femicide Observation Center Germany, geht man zunächst instinktiv in Deckung. Der kämpferische Text macht deutlich: Männer schlagen, würgen und töten Frauen, weil sie Frauen sind – begehen Femizide. Wolff schreibt: »Dieses Buch soll an all jene Mädchen und Frauen erinnern, die mit ihrem Leben dafür bezahlen mussten, dass Deutschland seine menschenrechtlichen Verpflichtungen konsequent ignoriert« (S. 496). Dies untermauert sie durch die Analyse geltender
Gesetzgebung in Bund und Ländern, die erforderliche Gewaltschutzmaßnahmen verschleppe. Die Ursache für steigende Fallzahlen und fehlende Korrektive verortet Wolff in strukturell tradierter männlicher Gewalt, patriarchaler Hybris, Besitzstandsdenken gegenüber Frauen, Misogynie (z.B.S. 51f., 277f., 388). Dargestellt wird auch dies anhand gültigen Rechts sowie Statistiken aus diversen Quellen. Wolff kritisiert die fehlende Aktualität, Spezifität und Transparenz staatlicherseits erhobener und bereitgestellter Daten (S. 114ff.). Die Kapitel sind durchzogen von rosa gedruckten Fallbeschreibungen sowie von Berichten Überlebender und Angehöriger der Opfer von Femiziden, abgesetzt auf rosafarbenem Papier.
Meist gingen Femiziden gewalttätige Angriffe (häusliche Gewalt, Stalking) voraus. Das frappiert besonders, weil es darauf schließen lässt, dass die meisten Morde verhindert werden könnten. Die häufig gestellte Frage: »Na, warum verlässt sie ihn denn nicht?« beantwortet Wolff unmittelbar: weil Staat und Gesellschaft sich ihrem Schutzauftrag verweigern (S. 39). Die Schuldfrage werde in medialer wie juristischer Argumentation allzu oft zu Lasten der Frauen geklärt (S. 145, 277). Historisch identifiziert Wolff strukturelle Merkmale der patriarchalen Prägung sozialer Gegebenheiten in Deutschland (S. 388): Erst im Jahr 1957 wurden in der Verfassung die Geschlechter gleichgestellt. Erst seit 1977 ist Erwerbstätigk