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Die „Imago” widmet das Aprilheft ihres 2. Jahrgangs ausschliesslich der Philosophie. Man kommt nicht gauz ins Klare darüber, ob das als Huldigung oder als Angriff gemeint ist, jedenfalls verrät es einen Anspruch und legt gewisse Verpflichtungen auf. Klarheit der Problemstellung und logische Konsequenz wird man zumindest erwarten dürfen. Doch da enttäuschen Hitscbmann's und Winterstein's Arbeiten gleicherweise in mehrfacher Hinsicht.
So gehen sie beide zunächst von der richtigen Voraussetzung aus, dass ihre Untersuchung als eine psychologische sich um den objektiven Wahrheitsgehalt der philosophischen Lehrgebäude nicht zu kümmern habe; leider wird dieser Standpunkt nicht festgehalten und sie lassen sich immer wieder verleiten, im Vorübergehen lobende und tadelnde Zensuren auszuteilen. So lesen wir bei H. auf derselben Seite, auf der er eine feierliche Neutralitätserklärung abgegeben hat: „Das unvergängliche Verdienst Schopenhauer's war die Entdeckung des Willens als Ding an sich”. Solche philosophische Naivitäten können freilich bei einem Autor nicht überraschen, der Sätze schreibt wie folgenden: Im Gegensatz zu Fichte, Schölling und Hegel, die den Intellekt verherrlichten und die Welt für ein Produkt bewusster Entwicklung hielten, war es Schopenhauer vorbehalten, dem Triebleben, dem Unbewussten, dem Wollen das gebührende Recht einzuräumen”. Wir stimmen ja mit Freud darin überein, dass der Psychoanalytiker es nicht vermeiden kann, sich auf Gebiete zu begeben, auf denen er nur Dilettant ist; aber Dilettant müsste er zumindest sein. W. wieder, dessen Arbeit sich allerdings auf einem viel höheren Niveau bewegt, möchte aus der psychologischen Untersuchung heraus einen Massstab für den objektiven Gehalt der philosophischen Systeme gewinnen. Philosophische Lehrmeinungen, die aus unbewussten Wünschen hervorgehen, die sich „als Erzeugnis einer ganz bestimmten Libidokonstellation erkennen lassen”, erscheinen ihm dadurch auch schon als widerlegt und so entscheidet er sich gegen