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In diesem Heft werden Arbeiten von zeitgenössischen ungarischen Analytikern vorgestellt. Die Idee, den gegenwärtigen Dialog mit der Geschichte der ungarischen Psychoanalyse dem deutschsprachigen Publikum in einer eigenen Publikation zugänglich zu machen, stammte ursprünglich von Rudolf Pfitzner. Sie wurde von den Herausgebern von „Luzifer-Amor“ aufgegriffen. Das Unternehmen soll mehreren Zwecken dienen. Es hilft, ein nicht so bekanntes Stück der europäischen Psychoanalyse dem Interessierten näherzubringen, trägt dazu bei, den lebendigen Nachlaß der Budapester Schule wieder in den internationalen Kreislauf einzubringen, und den Nachteil der sprachlichen Isolation zu mildem. Deutlich wird dabei, daß die Budapester Psychoanalyse von heute verstärkt das innere Zwiegespräch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die kritische Auseinandersetzung mit ihrer Doppelidentität von glorreicher Tradition und platzsuchender Wiedergeburt sucht.
Im Jahre 1918 beabsichtigte Freud, das Zentrum der psychoanalytischen Bewegung nach Budapest zu versetzen. Infolge der schwerwiegenden historisch-gesellschaftlichen Ereignisse - Zerfall der Monarchie, Räterepublik und darauffolgende rechtsradikale Wende, Aufteilung des ungarischen Staates (infolge des Friedenvertrags von Trianon), Niedergang der Wirtschaft - konnte dieser Plan nie verwirklicht werden. Die ungarische Psychoanalyse geriet allmählich aus dem Hauptstrom der Bewegung heraus, und ihr Gedankengut wurde nur durch die namhaften Emigranten aus Budapest vermittelt. Der Faschismus trieb diesen Prozeß weiter: Viele Analytiker verließen das Land oder fielen dem Krieg und dem Holocaust zum Opfer. Es ging um das persönliche Überleben, und dann, unter der Sowjetherrschaft, um das Überleben der Psychoanalyse.
Zwei Jahrzehnte lang wurde die Bewegung in einem inneren Exil, abgeschnitten von internationalen Beziehungen, bewahrt und weitergegeben. Ab Ende der sechziger Jahre, für zwei weitere Jahrzehnte, ging die Wiedereingliederung in die internati