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Den ersten Vortrag über meine Beobachtungen während der Therapien von Überlebenden des Holocaust und ihrer Nachkommen hielt ich am 9. November 1982 unter dem Titel: „Kinder des Holocaust und ihre Kindeskinder“ (Virág 1983). Erst später wurde mir bewußt, daß meine Mutter 38 Jahre davor, genau an diesem Tag aus unserer Wohnung abgeholt und nach Ravensbrück deportiert wurde. War dieses Zusammentreffen beider Daten vielleicht eine Fügung des Schicksals?
Der Vortrag - der erste über dieses Thema in Ungarn - hat den Begriff und das Erscheinungsbild des Holocaust-Syndroms nicht nur für den Kreis der Fachleute sondern auch für ein breiteres Publikum bekannt gemacht. In der folgenden Zeit wurde ich von immer mehr Menschen aufgesucht wegen ihres eigenen Leidens oder der Probleme ihrer Kinder. Im Rahmen der Ungarisch-Jüdischen Kulturellen Vereinigung habe ich 1990 die erste Gesprächsgruppe ungarischer Holocaust-Überlebender ins Leben gerufen, die seitdem besteht und ihre Zusammenkünfte monatlich abhält. Die Gruppe trägt den Namen „KÚT“ (deutsch etwa Brunnen), der mehrere Bedeutungen hat. Er erinnert an den tiefen Brunnen der Vergangenheit nach Thomas Mann. Der Name kann im Ungarischen die Anfangsbuchstaben seiner programmatischen Zielsetzung: „Közös Út Találkozó“ (etwa: Begegnung auf dem gemeinsamen Weg) wiedergeben. Schießlich entspricht er der Abkürzung des hebräischen Ausdrucks: „Kedoshim U Techorim“ (Heilige und Reine), der in unseren Gebeten u. a. eine der Benennungen der sechs Millionen Opfer des Holocaust ist.
An der Gruppe nehmen auch Ärzte und Psychologen teil. Mit ihrer Beteiligung und ausgehend vom Namen der Gruppe haben wir 1993, zusammen mit meinem Ehemann, die Stiftung „KÚT“ gegründet, die ihre Hauptfunktion im Anbieten einer regelmäßigen speziellen Sprechstunde und Therapie für die Opfer gesellschaftlicher Traumatisierungen sieht.
Die Sprechstunde steht den Hilfesuchenden mit zehn freiwilligen Mitarbeitern kostenlos