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Der in Zürich lehrende Literaturwissenschaftler Walter Muschg würdigte 1930 in einem umfangreichen Essay „Freud als Schriftsteller“. Darin erörtert er voll Anerkennung Stil und Wortschatz der „Traumdeutung“, die er zusammen mit den „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“ den Meisterwerken der modernen deutschen Literatur an die Seite stellt. Er bewundert die sprachliche Fülle, die dem Leser der „Traumdeutung“ allerorts entgegentritt und ihn geradezu „magisch“ in ihren Bann schlägt:
„Als reiner Forscher ist Freud dazu gelangt, das Urwort aller Dichter, das Wort Traum, für sich zu usurpieren. Es fiel ihm als Inbegriff eines selbstherrlich gewählten wissenschaftlichen Themas zu, gewiß - aber in welcher Weise hat er sich auch seiner Lautreize bemächtigt! Er führt es durch immer neue Variationen, er spricht von der Traumquelle, vom Traumtag und Traumwunsch, von der Traumrede, von Traumarbeit und Traumverdichtung, von Traumreizen, Traumentstellung, Traumgedanken, Traummaterial. Man kann sich der Schönheit dieser Zusammensetzungen nicht entziehen, auch wenn man weiß, daß sie als analytische Grundbegriffe geschaffen worden sind. Das ist aber gerade das Bezeichnende. Der Wortzauber ist nicht um seiner verführerischen Lockung willen da, sondern als Begleiter und Diener einer Erkenntnis. […] Sein Hang, schlagende Worte zu formen, ist weniger dem Künstler als dem Systematiker in ihm gutzuschreiben - sofern die beiden sich trennen lassen. Er frönt ihm unersättlich, es gibt kaum eine Veröffentlichung von ihm, die nicht einige ad hoc geschaffene Ausdrücke einführt.“
Im Anschluß an Muschg herrscht allgemein die Meinung2, daß Freud die vielfältigen Zusammensetzungen, die das Wort Traum in seinem